Die Blumenfrau © il Deutsch-Italia
Die Blumenfrau © il Deutsch-Italia
Rosmarie Engel © il Deutsch-Italia

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Jammern passt gar nicht zu Rosemarie Engels Charakter. Sie hat uns zu sich nach Hause eingeladen, um aus ihrem spannenden Leben als Berliner Blumenfrau zu erzählen. In Berlin-Mitte kennt sie fast jeder, denn sie besucht mit ihren selbstgesteckten Biedermeier-Blumensträußchen rund 30 Lokale zwischen Nikolaiviertel, Rudi-Dutschke-Straße (Kochstraße), Gendarmenmarkt, Behrenstraße und Friedrichstraße. Und das seit genau 10 Jahren. „Solche Jobs bekommt man nur durch Zufall“, erzählt sie strahlend. Der Mann einer ihr bis damals unbekannten Nachbarin fand in ihr die geeignete Nachfolgerin seiner Frau, die aus gesundheitlichen Gründen das Gewerbe als Blumenfrau weitergeben wollte. Über 30 Jahre zog sie selbst durch Berlin und vermachte Marie das Wissen und die elegante Damenkleidung für den Start ihrer neuen Karriere.

Die Blumen © il Deutsch-Italia

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Der Blumenladen ist ein Korb mit 20 Biedermeierbuketts. Marie verliebte sich sofort in die Idee, war anfangs jedoch schüchtern und übte mit der Nachbarin die verschiedensten Situationen beim Herantreten an unbekannte Menschen. Heute weiß die ehemalige Musiklehrerin, dass eine Blumenfrau von allem ein bisschen wissen muss, um sich vor den unterschiedlichsten Menschen zu behaupten. Spontanität, Bildung, Schlagfertigkeit, Anmut und Charme sind nur einige der wichtigsten Eigenschaften. „Es ist ein Job für Körper und Seele, denn die Menschen sind alle unterschiedlich und genau das liebe ich, denn mich interessiert alles. Oft treffe ich unerwartet auf wichtige Persönlichkeiten und in einer Sekunde muss ich wissen, wie ich passend auf sie zugehe“. Die nettesten Menschen trifft sie in italienischen Lokalen, weshalb sie auch versucht, die Sprache zu erlernen, um etwas von der Freundlichkeit zurückzugeben. Je nach Situation gibt sie am Tisch auch mal ein Gedicht im Berliner Jargon zum Besten. Am Nachmittag bindet sie zu Hause die schönen Biedermeiersträuße. Ganz selten bleibt ein Bukett am Ende des Abends übrig, und wenn, dann ergibt sich eigentlich immer noch eine glückliche und unerwartete Situation, in der sie die letzten Blumen doch noch abgibt, oder sie lässt sie auf dem Tresen des Restaurants.

Die Blumenfrau © il Deutsch-Italia

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Sie hat viele Geschichten mit Menschen erlebt, die sie, wenn sie mit 80 in Pension gehen wird, in einem Buch über die Blumenfrau erzählen möchte. Manche nennen sie Eliza, My Fair Lady, Mary Poppins, Rotkäppchen oder auch Frau Jaschke, die wenigsten kennen ihren richtigen Namen. Sie ist mit ihrer ruhigen und eleganten Art gern in jedem Lokal gesehen. Viele Stammkunden hat sie ebenfalls. Aus Tradition und weil sie das Restaurants so liebt, beendet sie ihre Tour im „Bocca di Bacco” in der Friedrichstraße. „Hier ist die Atmosphäre so schön, und ich kann mich vor meiner Heimreise mit der S-Bahn nach Mahlow auf dem Sofa ausruhen. Mit den Italienern erlebe ich immer die nettesten Dinge“. Von Langeweile hält sie nichts, denn die macht träge. Wenn sie Menschen auf der Straße jammern hört, dann stimmt sie nicht mit ein. „Ich müsste ja lügen, denn ich bin ein glücklicher Mensch, trotz meiner Taubheit kann ich mich absolut nicht beklagen. Alles interessiert mich, und ich habe viele Hobbies, darunter auch Keramik. Ich liebe die Menschen. Ich habe so viel zu tun und mache alles mit Freude“. Oft wird sie auch für Veranstaltungen gebucht. In zwei Jahren im Herbst wird Marie 80 Jahre alt. Zu ihrem runden Geburtstag wünscht sie sich eine große Party in ihrem Garten, ohne Geschenke, aber jeder soll etwas zum Gelingen des Festes beitragen, was er kann. Sicher wird auch der ein oder andere Gastronom ein Fässchen Wein oder Bier beisteuern, ein Wildschwein für den Grill wurde ihr schon versprochen, damit auch alle Gäste satt werden.

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Und dann geh ich los

UND DANN GEH ICH LOS /// Dokumentarfilm from Felix von Líska on Vimeo.

mm

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