Seit Januar nimmt die Coronavirus-Epidemie ihren Lauf. Gegen das neuartige COVID-19 Virus, abstammend von der SARS Virengruppe kann bisher noch nicht effektiv geimpft werden. Was zu Beginn des Jahres nach einem chinesischem Problem aussah, wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nun zur weltweiten Pandemie erklärt. Moderne Industrieländer wie Deutschland sind hochgradig vernetzt und stark in die Weltwirtschaft integriert. In guten Zeiten bringt solche Vernetzung Kostenvorteile. Sie kann aber auch dazu führen, dass sich regionale Katastrophen global auswirken, wie die SARS Epidemie in China mit Produktionsengpässen als Beispiel zeigte. Auch für die Corona-Krise können sich Produktions- und Transportunterbrechungen in China langfristig auf global agierende Firmen vernetzter Industrieländer aus. Dies wird sich durch Auswirkungen auf primär vier Kanäle zeigen.

Der Angebotskanal

Obwohl langfristige Folgen noch abzuwarten bleiben, muss in Deutschland bereits jetzt mit eingeschränkten Lieferketten aus China rechnen werden. Besonders die eskalierte Lage in Italien dürfte der deutschen Wirtschaft schaden, da Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik und im Maschinenbau im Süden Deutschlands sind aufs Engste mit der Industrie in Norditalien vernetzt sind.

Der Nachfragekanal

Analysen des internationalen Fluglinienverbands IATA zufolge dürften weltweit agierende Airlines (nach derzeitigem Stand) rund 1,5 Milliarden Dollar durch die Virus-Folgen verlieren. Neben großen Unternehmen der Reisebranche spüren aber vor allem kleine und mittelständige Unternehmen der Logistikbranche, Caterer, Hotels, Restaurants und sonstige Dienstleister die Folgen von COVID-19. Da solche Unternehmen oft über ein geringes Liquiditätspolster verfügen, könnte die Pandemie zu vermehrten Insolvenzen führen. Folgeeffekte wiederum könnten andere Unternehmen oder sogar Banken anstecken. Trotz möglicher Substitutionseffekte (Konsumenten kaufen andere Produkte) oder Nachholeffekte (Konsum steigt entsprechend im weiteren Verlauf des Jahres) durch sogenannte Panik- und Hamsterkäufe die aktuell eine Umsatzsteigerung von rund 30 Prozent ausmachn, dürfte im Saldo eine negative Wirkung übrigbleiben.

Der Vertrauenskanal

Rückgänge internationaler Aktienkurse sind ein wichtiger Indikator für sinkendes Vertrauen in weltwirtschaftliche Entwicklungen. Mitglieder der deutschen Bundesregierung verweisen bereits auf abnehmendes Vertrauen internationaler Finanzmärkte. Sollte es in Folge der Corona-Krise zu einem massiven Vertrauenseinbruch kommen, könnte Investitionsattentismus folgen. Inhärente sinkende Investitionen und nachfolgend sinkende Beschäftigung stellen üblicherweise Auslöser von ernsthaften Rezessionen dar. Sollte darüber hinaus das Vertrauen der Banken in Liquiditätssituationen von Unternehmen eingetrübt werden, könnten Kreditvergaben eingeschränkt werden und Deutschland unter einer Konkurswelle zu leiden haben, welche besonders kleine und mittelständige Unternehmen betreffen würde. Wie stark sich die Lage in Italien auf die Kreditwürdigkeit des Staates und der italienischen Banken auswirken wird bleibt beispielsweise noch offen.

Der Kumulationskanal

Hochgradig vernetzte und interdependente Systeme zeichnen sich dadurch aus, dass sich auch kleinere Netzwerkeffekte nach und nach kumulieren können. Ohne gegenläufige positive Impulse, können kumulative Effekte zu einer Abwärtsspirale führen, die zu einer ernsthaften krisenhaften Zuspitzung führen können. Demnach kann bereits eine Vielzahl einzelner wirtschaftlicher Einschränkungen durch COVID-19 negativen Folgeeffekten bewirken. Noch scheint die deutsche Wirtschaft nicht in solch einen Strudel geraten zu sein, dennoch dürfte das reale Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr durch den Mix aus schwacher weltwirtschaftlicher Entwicklung, gestiegener globaler Unsicherheit und unterausgelasteten Rückgang der Produktionskapazitäten sinken. Laut dem Bundesverband der deutschen Industrie könnte Deutschland die längste Rezession seit Wiedervereinigung drohen.

Wie kann es nun weitergehen ?

Sollte es zu vermehrten Produktionsausfällen in der chinesischen Industrie kommen, dürften sich die Auswirkungen von COVID-19 auf die deutsche Konjunktur verschärfen. Es lässt sich noch nicht absehen, ob Unternehmen in Deutschland in der Lage sein werden, andere Anbieter in Europa zu finden, welche Norditalien und China als Lieferanten ersetzen könnten. In jedem Fall ist mit Produktionsausfällen in Folge von eingeschränkten Lieferketten zu rechnen. Wie stark sich diese am Ende auf das Bruttoinlandsprodukt niederschlagen, kann noch nicht eingeschätzt werden. Unter gegebenen Umständen könnten zumindest wirtschaftliche Effekte auf öffentliches Leben und Logistik Regionen weise beschränkt werden. Ein weitrechendes Maßnahmenbündel der Bundesregierung soll als Schutzschild für Beschäftigte und Unternehmen Kurzarbeitergeld flexibler gestaltet. Dies schließt steuerliche Vorteile, sowie Liquiditäten von Banken ein um Unternehmen in Schieflage zu unterstützen. Fraglich bleibt, ob die Bundesregierung hier langfristig dringend benötigte Zuschüsse für das Gesundheitssystem mit eingerechnet hat.

mm
Bevor Sophia ihren Doppelmasterabschluss MSc European Governance an dem University College Dublin (UCD) in Irland und der University of Utrecht (UU) begann hat Sie ihren Bachelorabschluss in Politikwissenschaften, Verwaltung und Organisation an der Universität Potsdam in Berlin abgeschloßen. Neben ihrer Arbeit für Lars Klingbeil, Generalsekretär der SPD im Deutschen Bundestag und für das Abgeordnetenhaus Berlin, erwarb sie Kenntnisse im Journalismus und der Öffentlichkeitsarbeit während ihrer Praktika bei der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft und der Zeitung die Rheinische Post in Berlin. Während ihres sechsmonatigem Praktikums bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in China, erarbeitete und implementierte Sophia eine Kommunikationsstrategie für die Gebiete Urbanisierung und Nachhaltiger Verkehr. Aktuell schreibt sie ihre Masterarbeit während ihres Praktikums im Bereich Global Governance, SOX and Compliance bei SAP.

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