Viktor Elbling © Bernd von Jutrczenka Dpa
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Viktor Elbling © Youtube Repubblica Tv

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Viktor Elbling wurde im September letzten Jahres zum Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Italien ernannt und sticht durch eine besondere Eigenschaft hervor: Er ist Deutsch-Italiener.

1959 in Karachi, Pakistan, als Sohn eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter geboren, besuchte er zunächst Schulen in Forlì (die erste Klasse der Grundschule) und Mailand (dort ging er in die Deutsche Schule). 1978 begann er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Bonn, wo er 1984 erfolgreich sein erstes Staatsexamen ablegte. Von 1984 bis 1987 studierte Viktor Elbling Politikwissenschaften und Romanistik, trat sein Rechtsreferendariat an und absolvierte sein zweites juristisches Staatsexamen. Nach seinem Vorbereitungsdienst für den höheren Auswärtigen Dienst (1988–1989) war er im Auswärtigen Amt in Berlin tätig, bis er 1990 als Referent für Politik und Protokoll an die Deutsche Botschaft in Südkorea versetzt wurde. Nach seiner Verwendung in Seoul kehrte der Diplomat 1993 ins Auswärtige Amt zurück. Dort arbeitete er bis 1998 im Ministerbüro, auch als Persönlicher Referent des damaligen Bundesaußenministers Klaus Kinkel (1992–1998).

Von 1998 bis 1999 war Viktor Elbling stellvertretender Leiter des Ministerbüros. Dann wurde er als Leiter des Wirtschaftsdienstes an die Deutsche Botschaft in Madrid versetzt (1999–2003). Anschließend kehrte er als Leiter des Referats für Internationale Wirtschafts- und Finanzpolitik ins Auswärtige Amt nach Berlin zurück. Von 2006 bis 2010 war er Beauftragter für Globalisierung, Energie- und Klimapolitik, bevor er schließlich zum Leiter der Abteilung für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung ernannt wurde. Von 2014 an war er Botschafter in Mexiko; im vergangenen Jahr wurde er nun in Italien in die gleiche Position berufen.

Wir vom „Il Deutsch-Italia“ haben Viktor Elbling interviewt und ihm einige Fragen zu seinem neuen Amt gestellt.

Viktor Elbling © Youtube GermaniainItalia

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Herr Botschafter, Sie haben Ihr neues Amt im September vergangenen Jahres angetreten. Zuvor hatte der diplomatische Dienst Sie zunächst nach Südkorea und dann nach Mexiko geführt. Ich kann mir vorstellen, dass es ein großer Schritt war, nach vier Jahren wieder in die Realität des Alten Kontinents zurückzukehren …
Die Beziehung zu Italien ist von grundlegender Bedeutung für Deutschland, und auch für Europa. Nach Italien gehen zu können, hatte daher im Hinblick auf die europäische Integration und Entwicklung einen ganz besonderen Stellenwert für mich. Die Möglichkeit, direkt von Rom aus zu arbeiten, ist diesbezüglich eine große Chance. Dies ist ein besonders wichtiges Thema für die deutsche Außenpolitik.

Inwiefern könnte Ihrer Meinung nach in Ihrer jetzigen Position von Vorteil sein, dass Sie deutsch-italienischer Herkunft und sogar zum Teil in unserem Land aufgewachsen sind?
Ich empfinde eine ganz besondere Liebe zu Italien. Das Land ist ein Teil von mir, ich habe es im Grunde nie ganz verlassen und durch meine italienische Familie hatte ich auch immer einen Fuß in Italien. Deswegen ist es ein Privileg für mich, hier Deutschland vertreten zu dürfen, das ein besonderes Verhältnis zu Italien hat, so wie ich. Ein Vorteil könnte also darin bestehen, dass ich   Italien besser verstehe, was die gegenseitigen Beziehungen zweifellos fördert.

Viktor Elbling © Youtube GermaniainItalia

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Welche Punkte sollten Ihrer Meinung nach von beiden Seiten angegangen werden, um ein besseres Verhältnis und gegenseitiges Verständnis zu befördern?
Ich halte es für absolut notwendig, dass wir uns besser kennenlernen, denn das deutsch-italienische Verhältnis haben viele in den letzten Jahren für selbstverständlich gehalten. Dabei sind wir wichtig füreinander, so zum Beispiel im kulturellen Bereich, wo auf beiden Seiten sehr große Institutionen seit vielen, vielen Jahren an unseren Beziehungen arbeiten. Aber auch in anderen Sektoren, die Europa betreffen, etwa in der Wirtschaft: Italien und Deutschland sind die zwei großen Industrieländer der Europäischen Union und sind in diesem Bereich miteinander verbunden. Diesen Aspekt müssen wir noch besser kommunizieren, denn auch in Bezug auf die schwierigen Fragen unserer Zeit, wie Globalisierung, Handel oder Migration, ist es unerlässlich, dass wir in Europa gemeinsame Positionen vertreten, dass Deutschland und Italien sich nahestehen. Wir sind ein wesentlicher Motor für unseren Kontinent.

Der Brexit ist in vollem Gange, in Frankreich gibt es Proteste: Welche Richtung sollten unsere beiden Länder ansteuern, um den europäischen Geist zu stärken?
Wir sind beide Gründerstaaten und mit die wichtigsten Länder dieser Europäischen Union. Hieraus erwächst für uns eine ganz besondere Verantwortung. Ich glaube nicht so sehr an die Idee einer Führungsrolle in Europa, aber ich glaube daran, dass Nationen mit einer langen europäischen Tradition, wie es Deutschland und Italien sind, eine besondere Verantwortung für die Entwicklung der europäischen Integration tragen. Einzeln betrachtet sind wir doch alle nur kleine Länder, die allein kein signifikantes, spezifisches Gewicht in der Welt haben: Nur vereint, nur integriert können wir bei allen für die Menschheit wichtigen Fragen eine entscheidende Rolle spielen. Wir brauchen unbedingt mehr Zusammenhalt und Integration, und es ist unser klares Ziel, darauf hinzuarbeiten.

Viktor Elbling © Youtube La7 Attualità

Viktor Elbling © Youtube La7 Attualità

Apropos Integration, die ja ein wesentlicher Teil des Migrationsprozesses ist: Welche Ratschläge würden Sie unseren Landsleuten in Deutschland geben, um in dieser Hinsicht erfolgreich zu sein?
Meiner Meinung nach ist die Integration der Italienerinnen und Italiener in Deutschland eine Erfolgsgeschichte. Sie haben sich sehr gut integriert und Deutschland um viele Dinge bereichert, die Teil einer gemeinsamen Kultur geworden sind. Ich denke da zum Beispiel an die italienische Küche. Integration ist wichtig und es handelt sich dabei nicht um eine Einbahnstraße. Wir wollen nicht, dass diejenigen, die nach Deutschland kommen, einfach zu Deutschen werden, so wie wir nicht wollen, dass die Deutschen zu hundert Prozent so bleiben, wie sie sind. Auf den Austausch kommt es an: Italiener werden ein wenig deutscher und Deutsche ein wenig italienischer, und gemeinsam sind wir Europäer.

L'Ambasciatore in cucina © Youtube GermaniainItalia

L’Ambasciatore in cucina © Youtube GermaniainItalia

Eine letzte Frage, gewissermaßen persönlicher Natur: Welches ist Ihr Lieblingsgericht aus Italien und welches aus Deutschland?

Mein italienisches Lieblingsgericht heißt „Pasta e fagioli“ (Nudeln mit Bohnen). Ein einfaches, aber sehr leckeres Gericht. Zu den deutschen Gerichten, die ich besonders mag, gehört der Rheinische Sauerbraten, der wirklich sehr schmackhaft ist. Es ist wohl wahr, dass es eine großartige kulinarische Tradition in Italien gibt, sogar eine der wichtigsten der Welt, aber es gibt auch eine sehr gute und interessante deutsche Küche, die, wie ich weiß, von vielen Italienern, die in Deutschland leben, kennen und lieben gelernt wurde.

Herr Botschafter, vielen Dank für das Gespräch.

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