La Umboldt Universität di Berlino © il Deutsch-Italia
La Umboldt Universität di Berlino © il Deutsch-Italia
Freie Universität © CC BY-SA 3.0 Fridolin freudenfett (Peter Kuley) WC

Freie Universität © CC BY-SA 3.0 Fridolin freudenfett (Peter Kuley) WC

Welche dringenden Maßnahmen sollte die Universität Ihrer Meinung nach ergreifen?
Ich muss hier voranstellen, dass der Berliner Senat (regiert von SPD, Linke und Grünen) bereits offiziell erklärt hat, dass er nicht beabsichtigt, noch mehr finanzielle Mittel in die Universitäten der Hauptstadt zu investieren. Das bedeutet wiederum, dass die Humboldt-Universität nun mit dem gleichen Budget qualifiziertes Personal einstellen und es nach dem regulären Tarifvertrag bezahlen muss, da Studierende die betreffenden Aufgaben nicht mehr übernehmen können. Die Alternative wäre, weniger Personal einzustellen und Dienstleistungen zu reduzieren, was eben genau die Vorgehensweise des Ausschusses ist, der beschlossen hat, Verträge für Studierende nicht zu verlängern, kein zusätzliches qualifiziertes Personal einzustellen und bei wesentlichen Dienstleistungen wie den Bibliotheken zu kürzen. Eine weitere Alternative wäre, Service und Öffnungszeiten zu belassen, aber gleichzeitig das Arbeitspensum der von uns vertretenen wissenschaftlichen Mitarbeiter anzuheben, die schon jetzt an ihre Grenzen stoßen. Es liegt nicht in unserem Interesse, die Arbeitsbelastung der Arbeitnehmer zu erhöhen, die nach dem Urteil noch größere Anstrengungen unternehmen müssen, um die Lücken der studentischen Hilfskräfte zu schließen. Mein Vorschlag wäre, dass die Humboldt-Universität die vom Senat bereitgestellten Mittel in einer Gesamtbilanz aufteilt, um alle Aufgaben genau zu planen, die die Arbeitnehmer in Zukunft erfüllen sollen, ohne Angst vor Gesetzesbruch haben zu müssen. Meiner Meinung nach sollte man Projekte und Kooperationen mit anderen Universitäten nicht mehr uneingeschränkt genehmigen, ohne vorher sicherzustellen, dass die Basisleistungen erbracht werden. Wir sind verpflichtet, gesetzeskonforme Arbeitsplätze und Gehälter zu garantieren; das ist der Grundstein der Erwerbstätigkeit. Man sollte aufhören, reine Prestigeprojekte durchzuführen, wenn gleichzeitig die wesentlichen Aufgaben noch nicht erfüllt wurden.

Biblioteca universitaria © il Deutsch-Italia

L’annuncio della chiusura © il Deutsch-Italia

Welche Politik haben die anderen Berliner Universitäten nach dem Urteil über das Verbot von studentischer Beschäftigung verfolgt?
Im Gegensatz zu dem langjährigen Konflikt zwischen den Parteien an der Humboldt-Universität, der erst durch das letztjährige Urteil zugunsten eines möglichen Dialogs abgemildert wurde, basieren die Beziehungen zwischen Studierendenvertretern und Vorstand der Freien Universität (der anderen großen Berliner Universität) schon seit langer Zeit auf einer verstärkten Zusammenarbeit. Hier wurde beschlossen, dass die Zentralbibliothek in einem bestimmten Zeitraum auch sonntags geöffnet sein soll; das wird vermutlich noch bis Mitte 2019 der Fall sein. Das bedeutet aber auch, dass ein großzügiges „Moratorium“ dieser Art darin besteht, die Augen vor klaren Verstößen zu verschließen. Es ist und bleibt illegal und keineswegs eine saubere Lösung des Problems. Jedenfalls haben sich die Berliner Universitäten sehr unterschiedlich verhalten; die Humboldt-Universität ist bis zum bitteren Ende gegangen und hat sogar den Dialog abgebrochen, während sich die Freie Universität diplomatischer und versöhnlicher gezeigt hat.

denaroIch möchte Ihnen eine allgemeine Frage stellen: Wie ist es möglich, dass in einem so reichen Land wie Deutschland ausgerechnet die Hochschulen Geld einsparen wollen?
Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass Bildung und Forschung in Deutschland vom Staat und nicht von Privatpersonen finanziert werden. Wir verfügen nur über wenige Privatuniversitäten und über sehr viele öffentliche Universitäten. Das ist die eine Grundlage des deutschen Hochschulsystems. Die zweite ist der Föderalismus, d. h. jedes Bundesland muss sich separat damit befassen, wie die Mittel der Landesregierung auf die lokalen Universitäten aufgeteilt werden sollen. Es gibt reiche und arme Bundesländer; die überwiegende Mehrheit der Universitäten in Bayern und Baden-Württemberg ist zum Beispiel gut ausgestattet, während in Bremen und im Saarland die Finanzierung von Forschung und Universitäten schwach ist.

Zusammengefasst bedeutet das, dass die Bundesregierung nicht für die Finanzierungsprobleme der Universitäten verantwortlich ist, weil sie im Zuständigkeitsbereich jeden einzelnen Landes liegen. In den letzten Jahren wurde viel über eine Neuverteilung und veränderte Verantwortlichkeiten bei der Forschungsförderung diskutiert, um der Bundesregierung zu erlauben, diese Feld zu übernehmen, doch hat sich bis heute nichts an dem jetzigen System geändert. Weitere große Unterschiede ergeben sich daraus, dass die Bundesregierung mehr Fördermittel für die sogenannten „Elite-Universitäten” gewährt. Die Idee dahinter ist, vom allgemeinen Prinzip abzuweichen und einigen wenigen Universitäten Bundesmittel zu gewähren, die alle fünf Jahre mit ihrer Bewerbung nachweisen können, dass sie wettbewerbsfähiger sind als ausländische Universitäten. Das Problem jedoch ist, dass wir, anstatt die schwächsten Universitäten wachsen zu lassen, dazu neigen, denen zu helfen, die bereits stark und wettbewerbsfähig sind. Und die befinden sich meist in den reichen Bundesländern.

Humboldt Universität © il Deutsch-Italia

Humboldt Universität © il Deutsch-Italia

Gibt es Elite-Universitäten in Berlin?
Noch bis zum Jahr 2017 galt die Humboldt-Universität selbst als Elite-Universität. Soweit ich weiß, ist nur noch die Freie Universität als einzige Berliner Institution Teil des Clubs. Das heißt jedoch nicht, dass die Probleme bei der Finanzierung grundlegender Dienstleistungen mithilfe dieser Gelder gelöst wären, denn diese wurden auf reine Prestigeprojekte umgeleitet, die unter Umständen in Zusammenarbeit mit ausländischen Einrichtungen realisiert werden. Sie wurden nicht dazu genutzt, die drängendsten Lücken zu schließen, etwa in Sekretariaten und Bibliotheken. Die wichtigsten Büros, die von den Kürzungen und Schließungen der letzten Monate betroffen sind, haben diese staatlichen Gelder nie zu Gesicht bekommen.

Vielen Dank für das freundliche Gespräch. Wir hoffen sehr, dass diese Problematik so schnell wie möglich gelöst wird.

Den ersten Teil können Sie hier lesen

Matteo Corallo

Ein Problem der Arbeitsaubeutung an berliner Universitäten

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