Giorgio Agamben © Monica Ferrando
Giorgio Agamben © Monica Ferrando
Giorgio Agamben

Giorgio Agamben

Giorgio Agamben, einer der wichtigsten – wenn nicht der wichtigste – philosophische Vordenker Italiens kommt im Juni für eine Woche nach Berlin. Der 77-jährige ist nicht nur in seiner Heimat eine feste Größe, sondern weltweit mittlerweile einer der meistdiskutierten Philosophen der Gegenwart – wurde sein Werk doch in zahlreiche Sprachen übersetzt. Agamben denkt vor, er polarisiert, ist unbequem.

In Berlin den unbekannten Agamben entdecken

Im Rahmen der diesjährigen DediKa wird in sieben hochkarätig besetzten Veranstaltungen nicht nur die politische Philosophie Agambens beleuchtet, sondern im Vordergrund steht vor allem die enorme Vielschichtigkeit und Breite seines Werks, steht der weitgehend unbekannte Giorgio Agamben.

  • Die Ausstellung im Italienischen Kulturinstitut vermittelt auf visuell-sinnliche Weise verschiedene Lebensstationen und Themenbereiche des Menschen und Philosophen Agamben.
  • Nur wenige Philosophen haben bislang ihr Augenmerk auch auf die Rolle der Stimme in der Philosophie In einer Lectio magistralis im Senatssaal der Humboldt-Universität zu Berlin untersucht Agamben die in der logos-zentrierten Philosophie vernachlässigte Rolle der Stimme.
  • Über Walter Benjamin als einem für sein Denken einflussreichen Lehrer spricht er in einem Seminar mit dem Judaisten Giulio Busi an der FU Berlin.
  • Das Verhältnis der Philosophie zu Poesie und Dichtung sind für Agamben seit seinen frühesten Arbeiten und nicht zuletzt wichtiger lebensbegleitender Freundschaften mit Schriftstellern zentral. Beim Poesiefestival Berlin in der Akademie der Künste spricht Agamben mit der berühmten italienischen Dichterin Patrizia Cavalli über Poesie.
  • Für Philosophen eher ungewöhnlich ist Agambens Beschäftigung mit der Sprache. Mit seinem Vortrag in der Akademie der Künste geht er auf die poetische Dimension des „Bilinguismus“ von Dialekt und Hochsprache. Eine Thematik, mit der sich Agamben ganz konkret auch als Herausgeber der „bilingualen“ Poesiereihe Ardilut beschäftigt.
  • Im Gegensatz zu Philosophen wie Aristoteles und Nietzsche, die die Philosophie im Zusammenhang mit der Tragödie untersuchten, hat Agamben seinen aktuellen Fokus auf die Komödie gelegt. Zusammen mit dem berühmten italienischen Pulcinella-Spieler Bruno Leone sinniert Agamben im Italienischen Kulturinstitut über die philosophische Bedeutung der Komödie. In deutscher Übersetzung ist zuletzt 2019 „Pulicinella oder Belustigung für Kinder“ von Agamben erschienen. Im Anschluss an die Diskussion gibt Leone eine Pulcinella-Aufführung.
  • Den Abschluss von DediKa 2019 bildet schließlich eine Konferenz zum „Homo sacer“ an der UdK, die in Kurzvorträgen verschiedene Perspektiven des Werks herausarbeitet.

Hintergrund:

Giorgio Agamben (* 22. April 1942 in Rom) ist ein italienischer Philosoph, Essayist und Buchautor. Er leitete das Collège international de philosophie in Paris und lehrte an den Universitäten Macerata und Verona am IUAV in Venedig sowie in den USA, Schweiz und Deutschland. 2013 wurde er mit dem „Dr.-Leopold-Lucas-Preis“ der Universität Tübingen und 2018 mit dem Premio Nonino „Maestro del nostro tempo“ ausgezeichnet.

Sein Hauptwerk „Homo Sacer“ ist seit 1995 in neun Teilbänden erschienen, und liegt seit 2018 auf Italienisch als vom Autor mitbetreute Gesamtausgabe – er erarbeite ein umfassendes Register für diese Ausgabe – beim Verlag Quodlibet vor (auf Französisch 2016, auf Englisch 2017).

Damit wird die Gesamtarchitektur dieses, die politische Gegenwartsarchitektur maßgeblich prägenden Werks erst eigentlich ersichtlich, die vielen wechselseitigen Verweise und das Entwickeln und Wiederaufnehmen der verschiedenen Themen und Perspektiven.

Agambens Opus magnum erweist sich im Anschluss an Foucault als epochale Analyse der politischen Macht und ihrer Strukturen, von Inklusion und Exklusion, der Lebens-Form – Themen, die in einer Zeit von Migrationsströmen und politischem Popularismus aktueller denn je sind.

Mit dem Projekt DediKa (aus dem Italienischen dedica, „Widmung“) ehrt das Italienische Kulturinstitut Berlin seit 2017 jedes Jahr eine herausragende Persönlichkeit der Künste und der Wissenschaften im heutigen Italien. Ihr Werk soll in unterschiedlichen Formaten und Ausdrucksformen (Gespräche, Lesungen, Film- und Theateraufführungen, Ausstellungen, Konzerte) in einem möglichst breiten Spektrum präsentiert werden. 2019 ist DediKa Giorgio Agamben zugedacht, einem Meister unserer Zeit, dessen umfangreiches philosophisches Werk eine Wende für die Interpretation der Moderne darstellt und unerwartete Denkhorizonte eröffnet.

Weitere Informationen finden Sie unter www.iicberlino.esteri.it

Nach Rücksprache steht Giorgio Agamben in Berlin gern für Interviews zur Verfügung. Bitte sprechen Sie uns unter 030-200 898-31 oder blase@publiplkator.de an.

Robert Hulkbeck

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