Mama © il Deutsch-Italia
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Als ich im Oktober letzten Jahres für die erste gedruckte Ausgabe des „Il Deutsch-Italia“ den Artikel „Quell’occasione perduta per la ristorazione italiana“ (dt.: „Eine verschenkte Gelegenheit für die italienische Gastronomie”) über die beiden großen Unternehmen „Vapiano“ und „L’Osteria“ schrieb, wusste ich noch nichts von einer Gastronomiekette namens „Mama Trattoria“ mit Sitz in Hamburg und einem erst kürzlich eröffneten Restaurant in Köln. Auch „Mama“ arbeitet nach dem Modell der „Systemgastronomie“, das schon vor vielen Jahren von den beiden oben genannten Konzernen zum Erfolg geführt wurde. Es handelt sich dabei um eine moderne Form des Gaststättengewerbes, die sich durch den Aufbau standardisierter Strukturen ganz klar von der klassischen bzw. individualisierten Form unterscheidet. Diese Art von Gastronomie gibt dem Kunden die Gewissheit, in jedem der Restaurants einer Kette garantiert die gleichen Gerichte zu finden wie in seiner Stadt, in derselben Qualität und sogar zum selben Preis. Dies gilt auch für die 2006 in der Hansestadt entstandenen Trattorien der „Mama“. Das erst vor Kurzem in Köln eröffnete Restaurant befindet sich gleich hinter der Brückenstraße, einer von vielen Querstraßen der berühmten Hohen Straße, der Fußgängerzone, die vom Domplatz aus ins Zentrum der alten Römerstadt am Rhein führt. Am Eröffnungstag der „Mama“ war ich gerade in Italien, weswegen ich den Bericht im „Kölner Stadt-Anzeiger“ nicht lesen konnte.

Alles mit Liebe zubereitet!”

Mama © il Deutsch-Italia

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Als Journalist, der sich schon immer für alles interessiert hat, was die italienische Küche in Deutschland betrifft, musste ich natürlich doch einmal persönlich nachsehen, um was für eine Art von Restaurant es sich handelt. Die „Mama“-Kette konzentriert sich, wie ihre beiden größeren Vorgängerunternehmen, auf die Grundbausteine der italienischen Küche: angefangen bei der Vorspeise über den ersten und zweiten Gang, Desserts, Weine und Mineralwasser bis hin zu Öl und Essig. Die Leitlinie der Kette lässt diesbezüglich keinen Zweifel aufkommen: „Wir glauben an eine neue Art der italienischen Küche: abwechslungsreich, hochwertig und mit einer Prise Liebe gemacht.“ Vielleicht hatte sich die „Mama Trattoria” in Köln bei meinem Besuch noch nicht genug herumgesprochen, oder es lag daran, dass es für die Mittagszeit nicht sonderlich voll war. Fakt ist jedoch, dass mir ein tadelloser Service ein ausgezeichnetes Gericht auftischte, das an der gut sichtbaren Gastrotafel am Eingang des Restaurants empfohlen wurde: Spaghetti manzo. Also Spaghetti mit Rindfleischsauce, wobei anstelle des üblichen geriebenen Grana-Käses dünne Scheiben von Grana Padano über die Spaghetti gestreut wurden. Ein erster Gang, der einer vollwertigen Mahlzeit gleichkam. Zusammen mit einem Gläschen Merlot, einem Rucola-Tomaten-Salat und schließlich dem klassischen Tiramisù, das in keinem deutschen Restaurant mehr fehlen darf, zahlte ich insgesamt 16 Euro, also etwas mehr, als der deutsche Kunde durchschnittlich im „Vapiano” (10,30 Euro) ausgibt.

Mama © il Deutsch-Italia

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Ich habe zwar seit einigen Monaten kein Restaurant der Ketten „Vapiano“ oder „L’Osteria“ mehr besucht, doch mein gastronomisches Gedächtnis täuscht mich nicht: Offensichtlich sind die „Mama“-Manager fest entschlossen, die Kölner Kunden davon zu überzeugen, ihre ersten Eindrücke noch einmal zu überdenken. Was mich betrifft, so hat dieses Engagement Erfolg. Die Professionalität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – von der Zubereitung der Speisen bis hin zum Service am Tisch im angenehm „altmodischen“ Stil – hat mich an die Atmosphäre der Trattorien erinnert, die ich früher, vor meiner Zeit in Deutschland, in Venetien kannte. Obwohl ich nicht mehr sehr oft in der überfüllten Kölner Innenstadt bin, habe ich mir selbst das Versprechen gegeben, bei der nächsten Gelegenheit wieder in der „Trattoria Mama” einzukehren. Ich bin neugierig auf die Pizza, die der Werbung nach aus Bio-Mehl und einer Sauce aus italienischen Tomaten und Mozzarella, alles nur vom Besten, hergestellt wird. Die Zubereitung im traditionellen Ofen garantiert, dass sie hauchdünn und knusprig ist. Laut Speisekarte wird sie für die kleinen Besucher im Miniformat und besonders kindgerecht angeboten, vor Ort oder selbstverständlich auch als Lieferung, wie alle anderen Gerichte. Die Restaurantkette versichert, dass keine künstlichen Produkte oder Aromen als Geschmacksverstärker verwendet werden und dass die Desserts – Tiramisù, Pannacotta, Mascarponecrème mit frischen Erdbeeren oder Schokoladensüßspeisen – zum Großteil erst dann zubereitet werden, wenn der Kunde die Bestellung aufgegeben hat. Auch der Kaffee ist ein rein italienisches Produkt, das direkt von der renommierten Traditionsrösterei Pascucci aus Pesaro importiert wird. In Hamburg betreibt „Mama“ sieben Restaurants. Nachdem jüngst die Filiale in Köln und zwei weitere in Berlin eröffnet wurden – eine am Theodor-Heuss-Platz 2, die andere am Pariser Platz 6 –, scheint das Unternehmen ganz darauf ausgerichtet, sein Wachstum fortzusetzen und auch in andere wichtige deutsche Städte zu expandieren. Zum Abschluss lässt sich nur sagen, was ich bereits in der ersten Printausgabe unserer Zeitung hervorgehoben habe: Es wird immer unbegreiflicher, wieso keine neuen italienischen Akteure in der deutschen Gastronomieszene existieren, und wie es parallel dazu kommen konnte, dass unsere ersten, alteingesessenen Restaurantbetreiber und sogar Pizzabäcker ihre Lokale an griechische, türkische und nahöstliche Unternehmer verkaufen, die sich davor hüten, das italienische Label von ihrer Gaststätte zu entfernen.

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„Trattoria Mama“

© Youtube Lola macht

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