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© il Deutsch-Italia

Wenn einer eine Reise tutund das nicht regelmäßig, sondern nur ab und zudann frappieren Kleinigkeiten im Zielland hinter den sieben oder noch mehr Bergen, das mit den Jahren beinahe fremd geworden ist. Die niedrige Frequenz der Reisen macht, dass Dinge und Veränderungen stärker und dadurch neu wahrgenommen werden. Immer wenn ich nach Monaten wieder in Deutschland bin, fallen Details ins Auge, die mir merkwürdig erscheinen. Es sind Gedankenblitze, Momentaufnahmen, die keinen Anspruch erheben, sich zu Urteilen aufzuschwingen. Und doch scheint es mir, als tendierten diese Augenfälligkeiten dazu, sich im Laufe der Tage öfter zu wiederholen und somit zu verfestigen.

Wie der Benzinpreis, der in Deutschland bodenlos tief scheint, so dass das ungläubige Auge stets die Anzeige der nächsten Tankstelle sucht, um sich immer wieder zu vergewissern, dass man nicht träumt. Oder kulinarische Abenteuer, die sich ins Gedächtnis eindrücken, wie die Dresdner Gnocchi mit getrockneten Tomaten und Kapern. Nicht, dass derartiges in Italien unbekannt wäre, aber während sich die Zutaten südlich der Alpen in offenbar langwierigen Kochprozessen langsam amalgamieren, scheint sich im Norden jede einzelne Ingredienz an eine andere Geschmackspapille zu klammern und somit einzeln die Information von Konsistenz, Geruch und Geschmack ans Hirn weiter zu geben.

© il Deutsch-Italia

Auch bei dieser Reise, die mich großteils in den Osten der Republik führte, hatte ich mehrere Aha-Erlebnisse. Zum Beispiel, wie viele Kinder es hier gibt, bis zu drei pro Familie und in gefühlt jeder Straße ein Kinderwagen, wau! Und die nächste Entdeckung war, dass diese Kinder oft von den Vätern betreut, durch die Straßen manövriert oder in Cafés verköstigt wurden. Und die Männer hatten dabei nicht das Gebaren von zu Zwangsarbeit verdonnerten Galeerensträflingen, sondern machten den Eindruck, als beschäftigten sie sich freiwillig, ja geradezu gerne, mit ihren Sprösslingen. Solch ein Anblick ist einigermaßen ungewohnt in Italien, zumindest auf dem Land, zumindest in dem Gebiet, in dem ich lebe. In Italien hat man das Phänomen als “Mammo”, als männliche Entsprechung der “Mamma” etikettiert. Ein Mann, der Kinder hütet, erzieht und umsorgt, während die Frau Karriere macht (meist arbeitet sie auch schlichtweg). Die Verschiebung der Rollen innerhalb der Familien sind in Italien noch eher die Ausnahme. Italienische Medien tönen deshalb schon mal “fare il mammo spegne l’eros” (wer den Mammo macht tötet die Erotik), starker Tobak also.

©-CC-BY-SA-3.0- Bundesarchiv-Göttingen Bäckerei

Was mir dieser Tage außerdem immer wieder entgegen schwappte, war eine durchschimmernde bis ostentative Ostalgie. Dass es früher besser gewesen sei, dass man Freundschaften, gegenseitige Ankerungen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt vermisse, im großen und ganzen Zwischenmenschliches. Eigentlich will ich nicht wie die Baldachinspinnen mit Flugfäden Ballooning betreiben, da Geschichte sich nicht wiederholen muss und die Spinne auch nie weiß, wo sie anklatscht, aber ich erinnere mich, dass in Italien um die bittere Finanzkrise 2008 eine ähnliche Wehmut über vergangene und verwehte Zeiten herrschte. “Stavamo meglio quando stavamo peggio! (Uns gings besser, als es uns schlechter ging) hörte man damals oft. Bewegt hat mich jedenfalls in diesen Tagen eine ungeahnte Freundlichkeit vieler Leute. Wie die Bäckersfrau, die sonntags um 7 Uhr morgens jeden Kunden sächselnd fragte: ”Hammse noch Wünsche?”, und als ich sagte: ”Ja, viele” lachte sie: ”Dann is guud”.

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Der Mammo und die Ostalgie

© Barbara de Mars

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