Karl Marx © il Deutsch-Italia
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Die Hüter des Staates

Die Beamten sind eine Art Ritterorden zum Schutz der öffentlichen Verwaltung, wie Lanzelot und Artus, die für den Heiligen Gral kämpften.
Statt der Rüstung trugen sie einst Uniform, an der man ihre Tätigkeit und ihren Grad erkennen konnte, vom Briefträger bis hinauf zu seinem Bürochef. Militärs und Zivilbeamte des Wilhelminischen Zeitalters und jeder Beamte, auch wenn er verloren in einem Katasteramt in der Provinz saß, konnten stolz sein wie ein Kommandant an vorderster Front und wie ein Oberst der Dragoner, die kurz vor einer ruhmvollen Attacke ihre ordentlichen Regale abschreiten.
Die Beamten haben Privilegien und Pflichten, die gewöhnlichen Bürgern versagt sind. In einem Land, in dem man im Krisenfall mit monatlicher Kündigungsfrist entlassen werden kann, steht an erster Stelle das unantastbare Recht auf den Arbeitsplatz von der Verbeamtung bis zur Pension, die lukrativer ist und eher beginnt. Dieses Recht wird mit Streikverbot bezahlt, ein Gesetz, an dem sich die ausländischen Kommentatoren schon die Finger wund geschrieben haben ob der undemokratischen Vorschriften des deutschen Staates.
Dazu heißt es, daß ja niemand gezwungen sei, Beamter zu werden, und wenn man gern streike, solle man sich eine »weniger ehrenvolle« Arbeit suchen; dieser Rat hat (oder hatte) seinen Sinn in Deutschland, wo eine Anstellung beim Staat ein Ziel und nicht eine Notlösung ist wie bei uns. Siebzig streikende Beamte, wurde mir erklärt, genügen, um den Staat zu lähmen, und diesen Luxus konnte sich nur Italien erlauben.
Die Tugenden des Beamten werden als selbstverständlich vorausgesetzt und stimmen mit den üblichen nationalen Wertvorstellungen überein: Fleiß, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit. Nach einem Blick zurück in ihre legendäre Vergangenheit finden die Deutschen (zu 55 Prozent), daß die Beamten heute überflüssig sind, und schlagen vor, sie abzuschaffen. Das Magazin Focus meint, sie seien eine aussterbende Art und sollten wie ihre Untergebenen einfache Angestellte werden.
Wahr ist, daß 58 Prozent der Bürger sie immer noch für »qualifiziert« halten, aber der Prozentsatz der Beamten, die dieses Urteil zu verdienen glauben, ist höher, nämlich 76 Prozent. Tatsächlich finden 30 Prozent sie auch anmaßend und arrogant, 55 Prozent »freundlich« und 53 Prozent »gewissenhaft«, aber jeder fünfte Deutsche hält sie für »grob«, das sind bedrohlich viele in einem Land, das alles bedenklich findet, was auch nur leicht von der Perfektion abweicht.
Es gibt vor allem zu viele Beamte, und sie sind zu teuer: Von sieben Millionen Staatsbediensteten, das sind sieben Prozent der Bevölkerung, inklusive Neugeborener, sind 1 900 000 Beamte. In der Truppe gibt es reichlich Offiziere und Unteroffiziere. Sie kosten den Staat jährlich achtzig Milliarden Mark, eine Belastung, die ohne Verlust der Leistungsfähigkeit reduziert werden könnte. Zeitungen berichten von einer Professorin für Medizin, die in fünf Jahren keinen einzigen Tag gelehrt und 400 000 DM kassiert hat, und von einem Gymnasiallehrer, der sich krank meldete, weil er »gegen die Schüler allergisch« war.

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