Da es ärgerlich ist, wenn man beim Einkaufen kein Markstück bei der Hand hat, hatte ein entfernter Verwandter Möllemanns die geniale Idee, einen universellen Plastikjeton zu erfinden, mit irgendeiner Werbung auf beiden Seiten. In einer schwachen Stunde empfahl der Minister den Erfinder verschiedenen Ladenketten, und dies auch noch, unverzeihlich nachlässig, auf dem Briefpapier des Ministeriums. Als die familiäre Schieberei herauskam, leugnete Möllemann erst, dann ergab er sich. Adieu Ministerium, adieu Blitzkarriere.

Aber das Wichtigste dabei ist, daß von den verschiedenen angeschriebenen Ketten nur zwei auf den Vorschlag mit dem Jeton antworteten. Sie lehnten ab in welchem anderen Land hätte man das Ansuchen eines Wirtschaftsministers schon mit derart eisiger Gleichgültigkeit ignoriert? Möllemanns »Schuld« ist auch nicht unverzeihlich. und wie ein Fußballspieler, der gegen die Spielregeln verstoßen hat, wird der Exminister wohl für eine mehr oder weniger lange Zeit auf der Bank Platz nehmen müssen. Früher oder später kann er wieder mitspielen. Wie sein Parteifreund Graf Lambsdorff.

Das ist der grundlegende Unterschied zu uns. Man verlangt Vollkommenheit, und theoretisch ist die Strafe so drastisch, daß man am Ende die Augen verschließt, um nicht unter den Schuldigen aufräumen zu müssen. In Deutschland weiß man, daß niemand vollkommen ist, und legt Regeln und Strafen fest. Die Korruption gehört zum Spiel, vorausgesetzt, es wird fair gespielt. Mit anderen Worten, eine Frage der Qualität.

In Magdeburg leerte der lokale Verantwortliche der CDU die Parteikasse und machte seiner Freundin Geschenke, unter anderem sechshundert Flaschen Sekt, die er ihr schickte und als Aufwandsentschädigung angab. Als es herauskam, heiratete er seine Freundin einfach. So bleibt alles in der Familie.

Der christdemokratische Verkehrsminister Günther Krause, der aus dem Osten gekommen war, schaffte als Neuling nicht den plötzlichen Sprung vom Kommunismus zum Konsumismus. Ihm fehlte es vor allem am rechten Schliff, und das scheint schwer verzeihlich: Er ließ sich vom Staat die Kosten für den »dienstlich begründeten« Umzug von seinem Dorf an der Ostsee nach Berlin erstatten, ein paar tausend Mark. Er aber hätte das Recht auf die Bezahlung eines Umzugs nach Bonn gehabt, wo sich sein Ministerium befand. Das zweite Vergehen wog schwerer: Er stellte stundenweise eine Haushaltshilfe ein, die arbeitslos gemeldet war, und ließ sich vom Arbeitsamt einen Teil des Lohnes erstatten.

Ein eher lächerliches als böses Foul, rote Karte und ab vom Platz, denn der Politiker aus dem Osten hat das komplizierte System der westlichen Regeln nicht begriffen. Frau Süßmuth jedoch, die ihrem

Mann als privatem Bürger Dienstmercedes und Chauffeur »geliehen« hatte, wurde ritterlich, oder weil es gerade paßte, verziehen.

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