Ci spiace, ma questo articolo è disponibile soltanto in Tedesco. Per ragioni di convenienza del visitatore, il contenuto è mostrato sotto nella lingua alternativa. Puoi cliccare sul link per cambiare la lingua attiva.

Bald geht es wieder los: ab Ostern schwillt der Strom der Touristen in den Straßen von Florenz stetig an. Von Juni bis September, wenn die Kreuzfahrtschiffe in Livorno anlegen und die Tagestouristen mit Bussen nach Florenz gekarrt werden, geht im Bermudadreieck zwischen Dom, Piazza della Signoria und Ponte Vecchio gar nichts mehr. Dann flüchten für gewöhnlich und nach Möglichkeit auch die letzten in der Stadt verbliebenen Florentiner ans Meer.

Was die Touristenmolche eigentlich in der Stadt verloren haben, ist nicht ganz klar. Zum Anschauen haben sie kaum die Muße. Schon Goethe hat’s vorgemacht, als er am 23. Oktober 1786 auf seiner Italienreise in drei Stunden durch die Stadt galoppierte und von ihr nur den Dom, das Baptisterium und die Boboli-Gärten erhaschte. An letzteren musste er zwangsläufig vorbei, weil sie auf dem Weg zur Porta Romana und damit auf dem Weg nach Rom lagen.

Wohin schauen © Barbara de Mars

Vergangenen Sommer wurden in Florenz zum ersten Mal Straßenschilder im wörtlichen, nämlich horizontalen Sinne, auf die Gehwege aufgetragen, die vor dem Kauf von Artikeln bei illegalen Straßenhändlern warnten. Offenbar geht man davon aus, dass die Touristen eher zu Boden schauen, anstatt den Blick auf irgendetwas Sehenswertes über Augenhöhe zu richten.

Und selbst wenn, was sehen sie? Beliebtes Touristenopfer ist der “David” von Michelangelo. Ein Selfie mit dem “schönsten Mann” muss sein. Dabei fragt sich, ob die Touristen ihn mal genauer angeschaut haben. Haben sie denn bemerkt, dass die Proportionen des Herrn nicht gerade vorteilhaft angelegt sind? So ist sein bestes Stück gerade mal so groß wie ein Fingerglied seiner rechten Hand. Selbst für griechische Statuen dürfte das unter Durchschnitt liegen. Auch der Kopf sitzt übergroß auf der eher schmächtigen Brust. Als Michelangelo das Werk schuf, hatte Florenz gerade entbehrungsreiche Zeiten hinter sich. Eben erst war Savonarola überstanden, der schon vor über 500 Jahren “decrescita felice” oder “Entwachstum” (ein derart hässliches Wort kann gar keinen Erfolg haben) predigte. Zwanzig Meter vom “David” entfernt hat man den Dominikanermönch 1498 verbrannt – er hatte es wirklich zu weit getrieben mit seinen Wutanfällen gegen Gier, Prunksucht, Korruption und andere Laster. Der David wendet den Kopf nicht umsonst in die andere, der Gedenkplatte Savonarolas entgegengesetzte, Richtung.

Natürlich haben die ungewöhnlichen Proportionen des “David” ihren guten Grund, ein Michelangelo verkalkuliert sich nicht. Schließlich hätte der Herr seinen Platz ursprünglich in luftiger Höhe an der Domkuppel einnehmen sollen und der Meister wollte, dass der Betrachter die Details des Werkes trotz großer Entfernung genießen konnte. Als der Bursche fertig war, erkannten die Regierenden jedoch das politische Potential des Hübschen, wie er dem Riesen Goliath stolz und draufgängerisch die Stirn bietet und platzierten ihn deshalb volksnah eingangs des Rathauses Palazzo Vecchio. Vielleicht wollten sie dadurch die Aktion des französischen Königs Karl VIII. vergessen machen, der mit seiner Armee unlängst Florenz im Vorbeimarschieren unterworfen hatte. Nicht unbedingt eine “bella figura” für die Florentiner. Jedenfalls handelte es sich um eine hervorragende und vorausschauende Marketing-Entscheidung. So brauchen die Touristen sich nicht den Kopf zu verrenken, mit Selfie-Stick sind sie bestens zusammen mit “David” im Bild. Die Asiaten lieben die Skulptur besonders, wahrscheinlich, weil sie ihre politische Dimension schätzen.

.

Barbara de Mars: www.florenz-toskana-tipps.de

Wohin schauen

© Barbara de Mars

Print Friendly, PDF & Email