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Fiume

Fluss

Vor ein paar Tagen ging ich im dichten Wald spazieren, begleitet nur von ein paar Weißlingen, die ziel- und absichtslos um mich herum taumelten. Beinahe war ich schon an der Mündung zur Straße, als eine Autotür zufiel. Etwas ließ mich aufhorchen, als hätte das trockene Geräusch gefährliche Folgen und die Grillen verstummten tatächlich für einen Moment. Langsam trat ich aus dem Grün der Farne und sah einen Mann, der gerade in hohem Bogen einen Blecheimer über eine Böschung hinunter in die Natur warf. Da sah auch er mich und so sahen wir beide zu, wie der Behälter verschluckt wurde.

Der Mann war um die siebzig, braun gebrannt wie jemand, der viel an der Luft ist und hatte weiße Haare. Er machte ein paar Schritte auf mich zu und ich dachte schon, er käme mich vermöbeln, als könne er dadurch das Geschehene ungesehen machen. Dann jedoch blieb er abrupt stehen. Die Miene war die einer Hauskatze, wenn sie im Garten einen Vogel entdeckt und plötzlich alles Zahme aus ihrem Gesicht verschwindet, so dass es auf einmal gänzlich fremd ist.

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Blecheimer

“Das war aber nicht toll”, sagte ich.

“Ich weiß”, sagte er, und dann wie beiläufig, ohne ein schlechtes Gewissen zu offenbaren, als würden wir uns in der Bar unterhalten: “Hast du den Brief vom Bürgermeister gelesen?” Dort stand, dass die schon bestehende Mülltrennung in Bioabfall, Papier und Restmüll in jedem Haus ausgeweitet würde auf Plastik und verschiedene andere Materialien, für die es bis jetzt noch Sammelcontainer im Ort gab. Im gleichen Schreiben erfolgte eine Einladung zu einer öffentlichen Versammlung, um das Thema zu bereden. Das ist typisch für die Politik hier: es wird etwas beschlossen und nachher fragt man die Bürger. Man hat zwar erkannt, dass es dem Volk langsam zu blöd wird, gar nicht gefragt zu werden. Aber vor der Entscheidung zu fragen wäre auch gefährlich. Also wird eine Art Deckmantel-Demokratie betrieben mit dem Ziel, dass die Leute Dampf ablassen. Bis jetzt konnte die linke Regierungspartei PD in der Toskana sich das leisten: unter verschiedenen Namen (darunter oft von Bäumen oder Blumen) war die gleiche Gruppierung immerhin über 70 Jahre lang am Steuer – bayerische Verhältnisse mit umgekehrten politischen Vorzeichen.

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Müll

“Den Eimer konnte ich nicht zum Plastik tun, den hätte ich in den Sondermüll bringen müssen. Aber ich fahr doch deswegen nicht kilometerweit zur nächsten Deponie.”

– “So haben die Enkel noch ein Andenken. Ist das besser?”

– “Nein. Ich habs dem Bürgermeister gesagt, dass er im Ort Behälter für das aufstellt, was nicht zugeordnet werden kann. Aber er hört ja nicht.”

In der Toskana gab es seit dem Mittelalter bis Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf dem Land das System der mezzadria (Halbpacht), das mehr war, als ein bloßer Arbeitsvertrag zwischen Arbeiter und padrone. Letzterer stellte Land und Kapital bereit, die einfachen Leute ihre Arbeitskraft und die Einnahmen aus dem Erwirtschafteten wurden hälftig geteilt. Heute zahlen die Bürger Steuern und müssen wie im Fall der Mülltrennung selbst die Sortierarbeit mitmachen, sie haben keinen klaren Ansprechpartner, an den sie sich bei Fragen wenden können und die Gegenleistungen des Staates in Form von Services fallen immer spärlicher aus.

spazzatura PD

Müll

Ganz oben auf dem Hügel über dem Dorf thront ein seltsames Haus mit einem schmalen, hochaufragenden Turm in der Mitte, wie eine Hand mit gestrecktem Mittelfinger. Man sieht es schon kilometerweit, selbst von der Autobahn. Zuerst dachte ich an eine ambitionierte architektonische, wenn nicht gar künstlerische Aussage. Dann sagte mir der Besitzer, der Turm hätte ursprünglich dazu gedient, die Bauern zu überwachen, damit sie nichts von den Feldern stahlen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war das mezzadria – System in der Krise.

Die Diskussion flog hin und her wie Fledermäuse in einer lauen Sommernacht: “Ich kenne auch X und Y in der Gemeinde. Ich habe ihnen gesagt, dass das mit der Mülltrennung so nicht funktionieren wird. Sie brauchen sich nicht zu wundern, wenn die Leute alles in die Landschaft kippen.” Eine Hand in der Gemeinde wäscht nicht nur die andere, sondern auch den ganzen Körper. ”Deine Freunde – der und der und der auch – denken übrigens genau wie ich.” Er ließ die Namen wie Zeugen für seine Sache den Satz entlang perlen.

Tradition hat einen langen Atem. Solange es die mezzadria gab, war der Konflikt zwischen den Parteien klar definiert. Als die Leute schließlich wählen durften, machten die meisten in unserem landwirtschaftlich geprägten Gebiet ihr Kreuz links von der Mitte, wenn nicht gleich bei den Kommunisten. Doch der Glaube an die Politik ist verflogen und in der Tür stehen die alten Kumpane Anarchie und Repression.

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Wohin mit dem Müll?

© Youtube Barbara de Mars

www.florenz-toskana-tipps.de

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