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Florenz

Florenz

Während Filippo Brunelleschi zwischen 1418 und 1434 die Kuppel des Doms von Florenz baute, arbeitete er im gleichen Zeitraum im Auftrag der Seidenzunft Por Santa Maria auch am Spedale degli Innocenti an der Piazza SS. Annunziata. Die Loggia vor dem Spedale gilt als erstes und exemplarisches Bauwerk der Renaissance. Es ist nicht nur architektonisch bemerkenswert, sondern war auch das erste Waisen- und Findelhaus dieser Art in Europa. An der “ruota (vergleichbar mit einer Babyklappe) konnten anonym Babys abgegeben werden, die das Institut dann aufzog. Drei Jahre nach der Eröffnung waren es 260 Kinder, im Jahr 1681 mehr als dreitausend. Wenn die Stadt versagte, dann kümmerten sich in Florenz die Bürger.

Archiv der Misericordia © Barbara de Mars

Archiv der Misericordia © Barbara de Mars

Schon vorher hatte sich die “Misericordia” um Waisen- und Findelkinder gekümmert. Ab 1244 sorgten Männer und später auch Frauen jeden sozialen Standes für Arme und Kranke. Entstanden war auch diese Institution aus einer Notlage: in Zeiten der Pest mit manchmal bis zu 400 Toten täglich, drängten die Fragen: wer pflegt die Kranken, versorgt die Familien, bestattet die Toten? Zwei Charakteristiken der “Misericordia” waren der ehrenamtliche Dienst und die Anonymität der Helfenden. Deshalb zogen sie eine schwarze Kutte (cappa) an und eine Kapuze (buffa) über, um nicht erkannt zu werden. Seit mehr als 750 Jahren wirkt die Institution, deren Sitz neben dem Campanile von Giotto und dem Dom liegt, oftmals in Reibung mit der städtischen Verwaltung. Wie unter dem habsburg-lothringer Großherzog Pietro Leopoldo, der 1785 das Verdikt erließ, die Confraternità den Kirchen des Territoriums einzuverleiben oder während des Faschismus, als versucht wurde, die Vereine zu unterdrücken. Heute hat die “Misericordia” in ganz Italien rund 670.000 Mitglieder, 100.000 davon sind aktiv tätig. Interessant ist die Idee deshalb, weil die Organisation zwar natürlich auf die katholische Tugend des Sich-Erbarmens mit den Schwachen basierte und der Freiwillige auf positive Auswirkungen für das eigene Seelenheil hoffte oder spekulierte. Darüber hinaus behauptete sich aber in den Zünften ebenso wie in sozialen Einrichtungen ein starkes Engagement des Bürgers gegenüber bürokratischen Verwaltungen und staatlichen Institutionen.

Toskana

Toskana

Das ist bis heute so. Nehmen wir ein kleines Dorf in der Toskana wie das, in dem ich lebe. Mit der Wirtschaftskrise 2008 rutschten immer mehr Familien in finanzielle Nöte. Eine einfache Frau aus dem Dorf sah das und gründete die örtliche Caritas, sammelt seitdem Kleider und verteilt Lebensmittel. Vor zwei Jahren wurde ein kleines Kind mit schwerster Krankheit von den Eltern in die USA gebracht, damit es dort mit experimentellen Medikamenten – natürlich zu sehr hohen Kosten – behandelt werden konnte. Seitdem veranstaltet ein Freundeskreis regelmäßig Spendenaktionen, um die Eltern finanziell zu unterstützen. Die Beispiele ließen sich lange fortführen.

“Misericordia” leitet sich aus dem Lateinischen ab: “dem Armen, Elenden das Herz schenken”. Im Lateinischen kann “cor” Herz, Verstand, Seele und Gefühl bedeuten, also ein sehr ganzheitliches Konzept. Mit der Aufklärung wanderte die Vernunft ab ins Hirn und das Gefühl wurde bisweilen als dusselig deklassiert. Seitdem kommen sich Einsicht und Gefühl immer wieder in die Quere und auch das Erbarmen lebt im Konflikt, zum Beispiel mit der Gerechtigkeit: soll man ein Prinzip bis zum Äußersten durchsetzen oder schaut man auf den Menschen, der vor einem steht? Wie behandelt man Menschen in schwächeren sozialen Lagen? Nimmt man im Nächsten eher das Verbindende wahr oder das Trennende?

Man kann nichts verallgemeinern und es gibt genug gegenteilige Beispiele, aber als Tendenz meine ich sagen zu können, dass in Italien nicht nur die Katholische Kirche ihre Traditionen ausspielt. Auf dem Land und später bei den Arbeitern wie in der Kommunistischen Partei stand Solidarität hoch im Kurs. Auch wenn Zeiten, Klassenbewusstsein und Gesellschaft sich weitgehend und grundlegend gewandelt haben und der “Krieg zwischen Armen” (guerra tra i poveri) ausgetragen wird, meine ich – trotz Salvinis Tiraden – dass in Italien die Hinwendung zum anderen noch die Oberhand gewinnt.

 

 

www.florenz-toskana-tipps.de

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Vom Umgang mit Schwachen

© Youtube Barbara de Mars

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