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© il Deutsch-Italia

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Stereo bedeutet im Griechischen “fest, hart, starr” und “räumlich” und da der Mensch ein Raubtier ist und beide Augen nach vorne gerichtet sind, sieht er eben räumlich und verfestigt seine Eindrücke zu Stereotypen. Hätte der Mensch wie der pflanzenfressende, fluchtbereite Hase die Augen seitwärts, entstünde ein gänzlich anderes Empfinden der Umgebung.

Reisen bildet bekanntlich und allein reisen gibt demzufolge die Sichtweise eines Typus wieder – sozusagen des Monotyps. Was sich nicht mit Stereotypen decken muss. Zum Beispiel werde ich mich nach dieser Erfahrung nie mehr über Verspätungen bei italienischen Zügen beschweren, denn die Erfahrungen mit der Deutschen Bahn – vorausschauend verschämt zur “DB” zusammen geschrumpelt – waren in dieser Hinsicht traumatisch. Dafür kenne ich jetzt alle nach menschlichem Ermessen möglichen Entschuldigungen für Verspätungen: Personen auf den Gleisen, Brand im Zug, Bauarbeiten, das Personal hat verpennt, dass es Dienst hatte und ist gar nicht erst erschienen, technische Ermüdung von Material, der vorausfahrende Zug war Schuld undsoweiter.

Stazione © il Deutsch-Italia

Stazione © il Deutsch-Italia

Doch nicht alles ist schlecht. In einem ICE machte ein Bahnmitarbeiter Furore, als er durch den Wagen ging und mit charmantem, zugegeben südländischem Akzent Kaffee anbot:”Kaffää, mit Liebää gemacht”. Während ich mir vorzustellen versuchte wie das nun genau aussehen sollte, kam der Spruch bei den Fahrgästen sehr gut an und die Pappbecher waren im Nu ausverkauft.

Doch der Schalter fürs Gefühlige ist nicht durchgängig vorhanden. In einem Zug befand sich ein Kind, das offensichtlich von den Eltern abends allein durch halb Deutschland geschickt wurde. Die Kontrolleuse meinte trocken:”Du bist im falschen Zug. Beim nächsten Halt musst du aussteigen.” Als ich vorsichtig in den Raum stellte, ob man vielleicht die Eltern verständigen sollte oder dem schmalen Knirps, der kaum zehn Jahre alt schien, jemanden zur Seite stellen könne, der ihn zum richtigen Zug brächte, fauchte die Fahrkartentigerin:”Wenn die Eltern ihn doch allein fahren lassen…ich hab ihn darauf hingewiesen, dass er einen anderen Zug nehmen muss. Mehr kann ich nicht tun.” Wirklich nicht?

Ticket © il Deutsch-Italia

Ticket © il Deutsch-Italia

Wieder ein anderer Monotyp war mir zuvor in Italien untergekommen, als ich am Bahnhofsschalter einer Kleinstadt das Zugticket nach Deutschland hatte kaufen wollen. Der Monotyp dort sagte:”Das geht nicht.” – “Wieso?” – “Wir können für diesen Zug seit zehn Tagen keine Fahrkarten mehr ausstellen. Entweder Sie kaufen sie im Internet und materialisieren (er sagte wirklich materialisieren!) sie dann an einem der großen Bahnhöfe (warum nur kann ich sie nicht zuhause materialisieren?) oder Sie kaufen das Ticket in Florenz oder Arezzo.” Schöne neue virtuelle Welt! Also eine Stunde nach Arezzo fahren, Ticket kaufen, eine Stunde zurück. Mir kam der Verdacht, dass hinter dem Monotypen der Wille eines Polytypus steckte, will heißen eine Order der italienischen Bahn, die die Zusammenarbeit mit den ausländischen Kollegen – in diesem Fall der ÖBB – aus Gründen, die nur die Beteiligten kannten, erschweren wollte. Dem österreichischen Schaffner auf der Rückfahrt schien die Problematik bekannt und er meinte stoisch-kulant: ”Sie können jederzeit die Fahrkarte auch im Zug lösen. Ohne Aufpreis.” Wie die Österreicher überhaupt einen praktischen Draht zu den ganz großen philosophischen Fragen haben und der Schmäh oft nah am Sein liegt. Vor Innsbuck stieg eine korpulente Dame von in jeder Hinsicht einnehmendem Wesen zu, begleitet von zwei Herren, die sich sichtlich bemühten, den Höhenflügen der ungefähr Sechzigjährigen zu folgen. Nachdem diese zunächst Injektionen zur Schmerzbekämpfung in beide Knie ausführlichst beschrieben und veranschaulicht hatte, schwenkte sie auf ein neues Thema: ”Letzte Woche habe ich mir ein Tattoo stechen lassen. Hier.” Sie entblößte zum Beweis den Arm bis über den Ellbogen.” Da steht jetzt ‘Unendlichkeit’ auf Chinesisch.” Ehrfürchtig begutachteten die beiden Herren die Hieroglyphen auf den Fleischmassen. Und sie: ”Was heißt denn Unendlichkeit? Sag’s mir!” Hilfloses Achselzucken des Herrn gegenüber: ”Ohne Ende?” – Sie: “Jeder stellt sich da doch was anderes drunter vor. Es kann auch heißen: ‘für immer’. Ich weiß ja auch gar nicht, ob da wirklich ‘Unendlichkeit’ steht, ich kann ja kein Chinesisch. Aber schön sieht’s schon aus. Mir gefällt’s.” Der Monotyp fand bei den beiden Herren jedenfalls rege Zustimmung, womit wir fast schon wieder bei den Stereotypen wären.

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Von Monotypus zu den Stereotypen

© Youtube Barbara de Mars

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