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Tatuaggi

Tatuaggi

38 Grad – il caldo africano (die afrikanische Hitze) ist da. Neben mir am Strand liegt entspannt eine nicht mehr ganz taufrische Dame unterm Sonnensegel. In ihrem Decolletée schaukeln sanft zwei Delfine auf und ab. In Italien boomen die Tattoos.

Über 7 Millionen Italiener sollen eines haben, mehr Frauen als Männer. In den letzten Jahren ist die Erscheinung förmlich explodiert, nicht etwa nur unter Jugendlichen, sondern auch bei den Mittelalten. Man könnte es für eine Mode halten, so wie die Männer in den letzten drei Jahren eben Vollbart trugen. Nur vermute ich, dass da doch mehr dahinter steckt, Tätowierungen sind naturgemäß etwas dauerhaftere Entscheidungen. Mit ihnen plakatiert man seine Individualität und schließt sich zugleich einer Gruppe an. Sie sind Statement und Provokation, legen Wunden und Intimes offen. Und sie sind offensichtlich nicht nur für ihre Träger gemacht, sondern auch für die Mitwelt, sie kommunizieren und wollen Identität ausdrücken. Mit letzterer haben Italiener ja so ihre Schwierigkeiten – gut, in dem Punkt sind sie in der postmodernen Gesellschaft nicht allein, aber im Stiefel haben Identitätskrisen jahrhundertelange Tradition.

Luigi Pirandello © CC BY-SA Agence Meurisse WC

Luigi Pirandello © CC BY-SA Agence Meurisse WC

So wundert es nicht, dass Italien erst spät, halbherzig und zerrissen auf den Zug der nationalen Identität aufgesprungen ist, der im 19. Jahrhundert nach der Französischen Revolution durch Europa fuhr. Die Idee der Identifikation mit räumlichen Begrenzungen eines Nationalstaats war ein schwieriges Unterfangen. Aber sich in temporäre Schnittchen wie ein Römisches Reich einzufühlen, ist auch problematisch. Fallen Zeit und Raum als Identitätsstifter weg, bleiben in letzter Konsequenz nur “Sofia, Davide oder Dio (Gott) forever” oder “Keep smiling”.

Das Dilemma hat Luigi Pirandello in seinem Romanklassiker “Uno, nessuno, centomila (Einer, keiner, hunderttausend) schön entwickelt, wo der Held darauf aufmerksam wird, dass die Leute ihn anders wahrnehmen, als er sich selbst. Wieviel Wahrheit steckt in der Wahr-Nehmung oder ist alles ausschließlich Wahr-Gebung?

Identitäten ändern sich nicht nur mit der Zeit, sie verselbständigen sich auch und entwickeln unbeabsichtigte Dynamiken. Bei genauerer Betrachtung sind die Delfine der Dame neben mir mit den Jahren zu Walen mutiert. Ich stehe von der Liege auf. Der Sand brennt mir unter den Füßen, dass jede Identität dahinschmilzt.

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Unter der Haut

© Yutube Barbara de Mars

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