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Paese che vai usanza che trovi (andere Länder, andere Sitten). Solange man sich im öffentlichen Raum bewegt sind die kulturellen Näpfe, in die man treten kann, halb so schlimm. Meist reicht es wie in der Disco mit dem Kopf  im Rhythmus der Musik zu nicken und einen Fuß mal zur Seite, mal nach hinten zu setzen und dazu eine Miene zu machen, als berühre einen nichts auf dieser Welt. Kennt man dann noch den Unterschied zwischen “prego” und “per favore” (den erkläre ich jetzt nicht) ist das interkulturelle Auskommen gegessen. Apropos Essen – ein Riesenthema in diesem Zusammenhang, mehr dazu gleich.

Verlässt man allerdings die gesicherten Gemeinwege und -plätze und dringt ins Haus eines Eingeborenen vor wird es knifflig, denn dort warten, gut versteckt unter tarnender Freundlichkeit, haufenweise Tretminen auf den ahnungslosen Besucher unbekannter Kulturen. In der Toskana darf man sich zum Beispiel nicht wundern, dass die Familien in die Garage bitten. Der “fondo” im Keller ist der gemütlichste und oft am meisten gelebte Raum des Hauses. Im Winter knistert heimelig das Feuer im Kamin und im Sommer ist er angenehm kühl. Wenn man also in die Garage eingeladen wird, ist man in den Eingeweiden der Familie angekommen und darf sich glücklich schätzen.

Einiges an Konfliktpotential enthalten Gastgeschenke: “paste” oder Blumen? Paste oder pasticcini sind in diesem Fall nicht die Spaghetti, sondern Gebäck – aber bitte nur von einem bekannten Konditor und nicht aus dem Supermarkt. Anlässlich einer Einladung hatte ich extra auf dem Wochenmarkt einen fröhlich bunten Chrysanthemenstrauß für die Gastgeberin besorgt. Als diese schwungvoll die Haustüre öffnete und ihr Gesicht im nächsten Moment zur Eisblume erstarrte wusste ich, dass irgendwas nicht ganz passte. Chrysanthemen sind in Italien die Blumen der Toten, bei Einladungen eher nicht zu empfehlen.

Bevor man über die Schwelle eines Hauses tritt ist es angebracht “permesso?” (ist es erlaubt?) zu fragen. Im Norden richtet sich die Frage, die nicht immer eine Floskel war, an die Bewohner. Im Süden verschwimmt das Terrain selbst bei scheinbar so banalen Angelegenheiten unter den Füßen, denn wie Anna Maria Ortese in ihrer Geschichte vom “Monaciello di Napoli (meines Wissens nach leider nicht ins Deutsche übersetzt) zauberhaft tagträumt, könnte es sein, dass hier ein Hausgeist wohnt, dessen Erlaubnis natürlich auch eingeholt werden muss.

Nichts ist so sehr ein Gleichnis für das Leben wie eine Einladung zu einem sizilianischen Essen. Um eine lange Tafel reiht sich die ganze Familie. Ach ja, “buon appetito” sollte man heute nicht mehr wünschen, sagt die Benimmbibel “Galateo”. Das war in Zeiten üblich, als der Appetit größer war als die Aussicht auf Befriedigung desselben. Die als weichhüftige, sizilianische Mamma verkleidete Schicksalsgöttin kümmert sowas natürlich nicht. Zuerst trägt sie Antipasti (Vorspeisen) auf, dann den Primo (erster Gang), dann noch einen Primo. Anfangs sind mein Elan und Hunger beträchtlich (Tipp: eine Woche lang vorher fasten). Werden erste Anzeichen von Schwäche offenbar, fragt die Hausherrin besorgt, ob es nicht schmecken würde, weil mein Appetit so hinfällig sei. “Doch, doch”, gerne fasse ich nochmal nach. Irgendwann während des Secondo (Hauptgang) – dann wenn man weiß, was man bereits hinter sich hat und ahnt, was vor einem liegt – dehnt sich still ein Augenblick, in dem die Frage nistet:”Gibt es ein Leben danach?”

casu sardo © il Deutsch-Italia

Gegen Ende des Essens treiben Bilder der, von Gewehrkugeln durchsiebten, Ortsschilder in der sardischen Region Barbagia hoch ins Bewusstsein. Auch auf Sardinien ist es nicht ratsam, die Gastgeber zu enttäuschen indem man den Teller nicht restlos leer isst – mag es manchmal auch schwerfallen. Wer dort den Casu Marzu (Käse mit lebenden Maden) probiert hat, wird das vielleicht nachempfinden können.

Dass der Mensch, gleich welcher Kultur und trotz aller kulinarischen Widerfahrnisse, im Grunde seines Wesens dem Schönen und Guten zuneigt sehe ich dadurch belegt, dass die Gedanken nach dem Secondo immer wieder fähig sind, erwartungsvoll in Richtung Cannoli zu drängen. Ein Beweis für den Glauben an eine süße Zukunft, trotz allem.

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Barbara de Mars: www.florenz-toskana-tipps.de

 

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