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Ich weiß wie Robinson Crusoe sich gefühlt haben muss, als er nach 35 Jahren von der einsamen Insel zurück ins kalte England kam. Wahrscheinlich hat er erst mal nur Bahnhof verstanden, denn die Sprache ändert sich doch relativ schnell. Mir jedenfalls geht es so: wenn ich nach längerer Zeit wieder im Norden bin, komme ich mir vor wie ein linguistischer Dinosaurier, während um mich alles chillt, disst oder im flow ist. Auch ohne angelsächsische Importe habe ich Mühe mich in die neue Welt einzufinden. War früher – nein, nicht bestenfalls – der “Zuhälter” in aller Munde, geht heute ohne “nachhaltiges Leben” gar nichts mehr. Die deutsche Sprache mit ihrem Baukastensystem bietet sich für (bei genauerer Betrachtung oft ziemlich sinnleeren) Worthülsen geradezu an. Das Italienische ist da ein bisschen anders – bilde ich mir zumindest ein.

Der italienische Grundwortschatz umfasst rund 7000 Wörter, im 14. Jahrhundert gebrauchte Dante davon bereits 5500. Die italienische Sprache ist also konservativ, was im übrigen den Charakter der Leute widerspiegelt. Erst im 20. Jahrhundert gelang es dem Fernsehen und der Migrationswelle von Süden nach Norden, die Dialekte – oft richtige eigene Sprachen – zu verdrängen und ein stiefelumspannendes, allgemein verständliches “Banal-Italienisch” zu gebären.

Zumeist unreflektiert, bleiben kulturelle Eigenheiten jedoch erhalten und springen den “forestiero” (Auswärtigen) besonders an. Ein Beispiel hierfür ist das “niente (nichts): gerade bei öffentlichen Reden beginnen viele ihren Diskurs vorsichtshalber mit dem kleinen Wörtchen “Nichts”, womit sie alles was danach kommt praktisch im voraus als “nicht wichtig” entwerten. Vielleicht wäre es in diesem Zusammenhang gut zu wissen, dass noch 1861 – und das ist weniger lang her, als man gemeinhin annimmt – an die 80 Prozent der Italiener Analphabeten waren. Selbstbewusstsein schlägt sich zuerst in der Sprache nieder und dessen Erwerb ist ein weiter Weg.

© il Deutsch-Italia

Über eine weitere Eigenheit muss ich jedes Mal schmunzeln: fragt man hier zum Beispiel einen x-beliebigen Unbekannten nach einem Ort und bekommt eine Antwort, sagt man als braver Deutscher mit preußischer Matrix “danke” und geht seines Wegs, die Order auszuführen. Ein Italiener wiederholt wortwörtlich noch einmal die Erklärungen des anderen um sich zu vergewissern, dass er alles richtig verstanden hat und erwartet am Schluss dafür eine Bestätigung des Gegenübers. Dies liegt nicht an einer vermeintlich geringeren geistigen Regsamkeit, sondern daran, dass man sich jedes Mal aufs Neue auf eine gemeinsame Basis der Kommunikation verständigen muss.

Nicht umsonst ist der Stiefel das Land des “campanilismo” (Lokalpatriotismus), der Ghibellinen und Guelfen, die sich dann noch mal in schwarze und weiße auseinander dividierten. Über Jahrhunderte konnte man sich nie sicher sein, ob das Gegenüber nun ein Freund war oder Feind. Und so zogen sich die Familien in die Vertikale ihrer bis zu 70 Meter hohen Geschlechtertürme zurück, stets bereit, dem Fremden vor der Tür einen Eimer siedenden Wassers oder Exkremente überzugießen, wenn es nicht nach Wunsch lief (sei es auch metaphorisch).

In der Sprache schlägt sich nieder, dass Macht und Verhältnisse sich blitzschnell wenden können, was sie dementsprechend geschmeidig werden lässt. Bestes Beispiel hierfür ist das Wörtchen “magari”, das für jede Situation die richtige Bedeutung parat hat: “magari vengo domani” kann heißen: “vielleicht komme ich morgen”. Aber (zum Beispiel auf die Frage: “hast du im Lotto gewonnen?”) magari” heißt auch:”wäre schön, ist aber nicht so”, also “Nein!”. Und dann wieder:”Soll ich auch für dich bestellen?” – “Magari” – “Ja!” Ein Wort, das “Ja”, “Nein” und “Vielleicht” bedeutet – da kann nun wirklich nichts mehr schiefgehen.

Barbara de Mars: www.florenz-toskana-tipps.de

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“Niente” und was die Sprache sonst noch verrät

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