Ci spiace, ma questo articolo è disponibile soltanto in Tedesco. Per ragioni di convenienza del visitatore, il contenuto è mostrato sotto nella lingua alternativa. Puoi cliccare sul link per cambiare la lingua attiva.

Es muss ein, mittlerweile in den Genpool gesickertes, urdeutsches Vollkornbrot- und Sandalen-Gen geben. Im selben Pool schwimmt die beinahe zwanghafte Vorstellung, in behördlichen Angelegenheiten “in regola” (gemäß der Norm/ den Gesetzen) sein zu wollen. Sobald so ein Gedanke auftaucht, ist hierzulande die Katastrophe nicht weit.

Freundlich ermahnt durch ein behutsam nachdrückliches Schreiben der deutschen Botschaft, ahnte ich unlängst, dass es nun wirklich an der Zeit war, meinen verlebten deutschen Führerschein in eine flotte italienische “patente di guida” umschreiben zu lassen. Frohen Mutes und bestärkt durch meine lauteren Absichten begab ich mich in die nächste Fahrschule, die auch administrativen Kram erledigt.

Als ich meinen rosa Lappen zusammen mit den ausgefüllten Formularen, Arztbescheinigungen, Steuermarken, Fotos und drei erdfarbenen Scheinen über den Tisch reichte, blitzte es hinterm Auge kurz auf, dass ich damit einen Teil von mir weggebe und der Magen drehte sich leise in einer grauen Ahnung, was folgen könnte. Schon krabbelten die bleichen Finger der Angestellten wie Spinnenbeine über die Dokumente. Doch für ein Zurück war es nun zu spät. Mit einer vierwöchigen provisorischen Fahrerlaubnis ausgestattet, fuhr ich nach Hause. Die Frist verstrich, niemand meldete sich.

Auf mein behutsames Nachfragen kroch die metallische Stimme der Angestellten aus dem Telefon:”Es gibt ein Problem”. Wenn dieser Satz im Zusammenhang mit der italienischen Bürokratie fällt, dann wetzt in irgendeinem lichtlosen Büro ein graugesichtiger Henker bereits das Fallbeil. “Ihr Name”, so die Angestellte weiter, “auf Pass und Führerschein ist nicht der gleiche”. Zuerst probierte ich es mit Zerknirschung, manchmal hilft das:“Weil ich zwischendurch verheiratet war und den Namen des Mannes angenommen habe. Im Führerschein steht der Mädchenname.” – “Die Dokumente sind nicht akzeptabel.” – “Ich kann die Vergangenheit schwer rückgängig machen.” – “Ihren Fall können wir nicht bearbeiten.” – “Dann geben Sie mir den alten Lappen wieder.” – “Das geht nicht.

Bei diesen Worten fühlte ich mich an einem kafkaesken Nicht-Ort ausgesetzt und die Identität drohte zu entgleiten. Wenn man im Ausland lebt ist diese ohnehin zarter. Nur Goethe, der absichtlich unter falschem Namen als Kunstmaler “Moeller”, “Miller” oder “Milleroff” durch Italien reiste, waren solche Gedanken wurscht. Er hatte ja auch nicht vor, für immer in dem Land zu bleiben, wo neben den Zitronen auch die Akten blühten.

Bereits im 15. Jahrhundert hat Filippo Brunelleschi – der Erbauer der Domkuppel – das Spiel mit der Identität und dem Verlust derselben auf die Spitze getrieben. In einem überlieferten “Streich vom dicken Tischler” beraubte er einen Freund seiner Identität, indem er alle Welt glauben machte, der Freund sei gar nicht er selbst, sondern ein gänzlich anderer. Am Schluss hatte selbst das Opfer Zweifel, wer ihn da im Spiegel anblickte. Wem es gelingt, derart glaubhaft einen Avatar durchzusetzen, dem ist auch genug an Willen und Vorstellungskraft zuzutrauen, für Santa Maria del Fiore eine Kuppel ohne Standgerüste zu bauen.

© Barbara de Mars

Meist kommt es dann doch nicht so schlimm wie befürchtet. Die Toskana ist nicht ohne Grund ein Hort administrativer Fortschrittlichkeit – naja, zumindest war sie das bis tief ins 18. Jahrhundert hinein. Schließlich wurde hier 1786 weltweit erstmalig die Todesstrafe abgeschafft. Und so gibt es für Fälle wie den meinen nach einigem Verhandeln eine relativ schmerzfreie Lösung, eine “via italiana (italienischer Weg) in Gestalt der sogenannten “autocertificazione (Selbstbescheinigung), wo man sich selbst auf eigene Verantwortung alles mögliche attestiert. Solenn setze ich meine Unterschrift, dass ich ich bin und alles ist gut.

 

.

.

Barbara de Mars: www.florenz-toskana-tipps.de

Print Friendly, PDF & Email