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Denken wir uns ein Land als einen Baum: den Stamm bilden Gesetze und Wirtschaft, Kunst und Erfindungsgabe treiben herrliche Blüten und tragen schließlich Früchte und in der Krone sitzen Freiheit und andere wichtige Werte. Europaweit haben wir jetzt zum Beispiel die Freiheit von einem Land ins andere zu reisen ohne kontrolliert zu werden (wenn man von der Schweiz, Österreich und die Öresundbrücke, aber auch Griechenland, Ungarn, Bulgarien, Mazedonien und noch ein paar anderen absieht, sowie von der Frage mit welcher Laune Horst Seehofer heute aufsteht). Mittlerweile surfen wir auch frei und zügig zum Heimtarif im Zwischennetz und bekommen einen Strafzettel selbst aus dem Ausland zugestellt. Schöne neue Welt.

Doch unterirdisch spannen die Wurzeln des Baumes ein verzweigtes Netz, das dem Auge verborgen bleibt. Dort liegt – man könnte auch sagen west – appunto das Schulwesen, das die sichtbaren Formen des Baumes bestimmt, nährt und festhält. Ein Kosmos ganz für sich, dessen Mechanismen und Sinn sich nur dem offenbart, der hinabsteigt in die Dunkelheit.

© barbara de mars

Italienische staatliche Schulen werden im Grunde nicht anders sein als deutsche. Skurrile Erlebnisse gibt es überall und jeder weiß davon zu erzählen. Wohnhaft in einem kleinen Dorf mit dementsprechend kleiner Dorfschule, wollte ich, dass die Kinder nach dem Unterricht selbständig die hundert Meter bis nach Hause laufen. Obwohl ich mich bei der Schulleitung schriftlich bereit erklärt hatte, die Verantwortung zu übernehmen, falls ihnen auf dieser Strecke etwas widerfahren sollte, war dies auch nach jahrelangem Ringen nicht möglich. Mittags hatte ein Elternteil oder die Großeltern die Kinder vor der Grundschule persönlich in Empfang zu nehmen, um die Schule von jeglicher Verantwortung zu entbinden. Faktisch musste ich erfahren, dass alleinerziehende, arbeitende Mütter im System nicht vorgesehen waren. Die gute Nachricht ist, dass sich die Situation für die Nachwelt mittlerweile entspannt hat, weil im Decreto Legge 148 vom 16. Oktober 2017 im Artikel 19 bis endlich – zwischen Schuldenregelung der Region Sardinien, Liberalisierung von Autorenrechten und Regeln zum Verkauf elektronischer Zigaretten (kein Witz, so funktioniert Gesetzgebung in Italien, was aber nicht Gegenstand dieser Geschichte sein kann) – in fünf Zeilen vorsorglich bestimmt wurde, dass Kinder mit Zustimmung der Eltern alleine nach Hause gehen können. Jippieh!

Seneca Cordoba-© Gunnar Bach Pedersen

Schon Seneca befand:“non vitae sed scholae discimus” (nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir). Bekannter ist das Zitat anders herum, sinnentstellt als bildungspolitische Nebelbombe. Was die Unterrichtsmethode angeht stecken wir, so scheint es bisweilen, immer noch im Zeitalter tiefer Scholastik fest. Auch inhaltlich ist der Leerkörper – ups, pardon für das Etym – beruhigter, wenn er möglichst lange längst vergangene Zeiten traktieren kann, denn je näher die Gegenwart rückt, desto nebulöser und unangenehmer, da vielschichtiger wird eine Auseinandersetzung mit dem Stoff, ganz zu schweigen von der Erarbeitung eines Urteils. So darf es nicht verwundern, dass begründete Urteilsfindungen, gleich welcher Art, mit jeder Schülergeneration immer schwieriger werden. In Deutschland spielt man mit Wörtern, wenn man sagt:”Wer nichts wird, wird Wirt.” In Italien heißt es dagegen:”Chi sa fa, chi non sa insegna” (Wer etwas kann, der macht. Wer nicht, unterrichtet).

© barbara de mars

Was sprach dann aber bei aller Kritik dafür, das italienische Schulsystem dem deutschen vorzuziehen? Eine einfache Charakteristik: das 13jährige italienische System besteht aus Grundschule (5 Jahre), Mittelschule (3 Jahre) und weiterführenden Schulen (bis zu 5 Jahren, zB Gymnasium oder eine technische Schule). In der Grund- und Mittelschule, also ganze acht Jahre lang, bleiben gewöhnlich alle Kinder beisammen. Die Wege verzweigen sich erst danach und ohne erdbebenartige Auslesen. Diese gemeinsamen Jahre halte ich trotz aller “Aber” im Hinblick auf die kindliche Entwicklung für immens wichtig. Weniger Druck, weniger Pochen auf Leistung, weniger Definition über Noten. Was gleichzeitig bedeutet, oder zumindest bedeuten kann (denn Gewissheit gibt es auch hier nicht), mehr aufs Kommunizieren und das Wachsen sozialer Strukturen und Wurzeln zu geben. Das beugt jenem Stummel-Menschsein vor, das sich lediglich wahlweise über Leistung oder Statussymbole oder beides definiert.

Doch jetzt sind in Italien erst mal Ferien bis Mitte September und die Schüler brauchen sich über all das hoffentlich nicht den Kopf zu zerbrechen und können oben an der Luft Sonne und Wind genießen – es sei denn, sie wurden rimandati (zurückgestellt). Denn es gibt die Möglichkeit, bei schlechten Noten nicht gleich durchzufliegen, sondern durch eine Nachprüfung Ende August etwaige Lücken in problematischen Fächern zu schließen. Noch eine Chance also anstatt kategorischer, “alternativloser” Entweder/Oder-Sentenzen. In diesem Sinne: Buone vacanze!

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Endlich Ferien – oder auch nicht

© Youtube Barbara de Mars

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