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Hof in Mailand © il Deutsch-Italia

Hof in Mailand © il Deutsch-Italia

Städte sind immer der Ausdruck einer kollektiven Psyche ihrer Bewohner, wobei Erscheinungsformen und Details langsam aus dem Bewusstsein ins Unbewusste sinken, bis niemand sie mehr beachtet. Dennoch sind sie für alle sichtbar da, mögen sie auf den Betrachter auch unterschiedliche Wirkungen haben, was wiederum von der Psyche des Betrachters abhängt. So spiegeln Städte innere Landschaften.

Nehmen wir zum Beispiel Innenhöfe als Mittler zwischen privatem und öffentlichem Raum, Individuum und Umfeld. In den einzelnen Städten werden sie ganz unterschiedlich interpretiert: in Mailand ist es oft ein hortus conclusus, ein geschützter Raum, zur Straße hin durch schmiedeeisene oder hölzerne Tore abgegrenzt. Die Natur wird in Vasen in den Hof geholt. Alles ist gepflegt, bedacht, biedermeierlich, “per bene”. Einmal im Jahr werden die privaten Innenhöfe anlässlich der Initiative “Cortili aperti” Ende Mai dem Publikum geöffnet.

Hof in "Quartieri spagnoli" Neapel © il Deutsch-Italia

Hof in “Quartieri spagnoli” Neapel © il Deutsch-Italia

Das krasse Gegenteil hierzu ist Neapel. Die Durchgänge zu den Innenhöfen ziehen mit Schaufensterauslagen die Besucher regelrecht an, locken sie ins Innere, wo nicht nur Privates und Öffentliches auf Balkonen ineinanderfließen, sondern sich oft auch Eingänge zu “Napoli sotteranea”, der unterirdischen Stadt, verstecken. Man sollte annehmen, Sigmund Freud hätte angesichts solch Studienmaterials vor Freude gejubelt. Dem war aber nicht so. Er bezeichnete Neapel verständnislos als “Affenkäfig” und mied es wenn er konnte.

Florenz ist wieder anders. Hier lohnt ein Blick auf die Gebäude, die vor Plaketten und Hinweisen auf die Geschichte nur so strotzen. Die Liebe zur Dokumentation scheint im Florentiner angelegt zu sein. Die Medici dokumentierten und archivierten alles in den Uffizien, die ursprünglich ja Verwaltungsgebäude waren. Plaketten unter den heutigen Straßenschildern lauten oft “già via…” (vormals Straße soundso) und legen alte Nutzformen offen. So war die heutige Piazza Mentana, die an Garibaldis Einigungskrieg erinnert, bis 1901 eigentlich der Hafen von Florenz (Piazza delle Travi), wohin die Baumstämme für den Bau der Palazzi auf dem Flussweg aus den Bergen transportiert wurden.

Uffizi Florenz

Uffizi Florenz

Aus dem Charakter ergibt sich vielleicht auch die Neigung der Florentiner zum Bankwesen. Tiefenpsychologisch interessant auch, dass Banker offensichtlich einen Hang zum Sammeln haben. Dabei ging es nicht allein um ein Demonstrieren von Macht und Status. Bisweilen degenerierte die Sammelwut zum Horten und offenbarte Urängste. Nach dem Motto:”Viel hilft viel” kann man die Medici-Kunstsammlungen auch als Furcht vor der göttlichen Ungnade deuten – Geldverleihen war einem Katholiken im 15. Jahrhundert nun mal ausdrücklich verboten.

Eine weitere dieser Ängste von Florenz heißt Arno und an Gebäuden und Plätzen wird in zwei oder noch mehr Metern Höhe der verschiedenen traumatischen Überschwemmungen gedacht, die sich im Laufe der Zeit ins Gedächtnis der Leute gefräst haben. Die letzte vom 4. November 1966 ist immer noch sehr präsent. Aber auch andere Charaktereigenschaften lassen sich an Hauswänden ablesen. Die Leidenschaft fürs Fußballspiel zum Beispiel (auch wenn die florentinische Variante des calcio storico eher an Rugby erinnert). An vielen Häusern finden sich Plaketten wie an der Piazza del Giglio aus dem 18. Jahrhundert: “Fußballspielen verboten!”

Spedale degli Innocenti © CC BY-SA 3.0 Giovannidiana WC

Spedale degli Innocenti © CC BY-SA 3.0 Giovannidiana WC

Florentiner werden oft und gern, manchmal mit Augenzwinkern und in jüngerer Zeit eher abschätzig “Bucaioli (buco ist das Loch) gerufen. Und Löcher echoten sogar bis in die Architektur nach: in den Häusern der Compagnie gibt es Briefkastenöffnungen um Bittschreiben und Almosen einzuwerfen. Durch die Babyklappe am Spedale degli Innocenti passte gerade eben ein Neugeborenes, womit man sicher gehen wollte, dass keine größeren Kinder im Waisenhaus abgegeben wurden.

Und dem Florentiner liegt nicht nur das Handeln im Blut sondern offensichtlich auch der Alkohol. Nachdem im 17. Jahrhundert der Verkauf traditioneller Konsumgüter europaweit stagnierte, begannen reiche Familien außerhalb von Florenz Grund zu kaufen und wurden zu Landwirten und Winzern. In der Stadt kam der Brauch auf, durch ein kleines Fenster neben der Eingangstür der Palazzi flaschenweise Wein direkt aus der Cantina des Erzeugers zu erwerben und sich so die Zwischenhändler zu sparen.

Der Ursprung des Wortes “bucaioli” geht übrigens auf den Beruf der “renaioli” zurück, die Kies und Sand aus dem Flussbett des Arno fischten, was als Mörtel für den Bau der Palazzi verwendet wurde. Mittags kamen die Frauen und versorgten die renaioli mit Essen, wobei sie riefen:”Bucaioli, c’è le paste!” (Löcherbuddler, die Pasta ist fertig!)

Como Piazza Fedele

Como Piazza Fedele

Ganz andere Sorgen hatten die Architekten der “Gruppo 7” in Como. Während des Faschismus hatte eine Architektengruppe um Giuseppe Terragni begonnen, streng rationale Gebäude ohne dekorativen Schnickschnack und klassizistische Schnörkel zu entwerfen. Und das ausgerechnet in Como, wo die trunken-üppige Vegetation mit dem tiefgründigen Spiegel des Sees und den weichen, bewaldeten Formen der Berge wetteifern und man annehmen sollte, dass die Architektur hier besonders verspielt sei. Dem war aber nicht so, oder zumindest nicht immer. Die Comasker bewiesen vielmehr einen ganz eigenen Dickschädel und provozierten mit Kontrasten. So prangen an der Domfassade der von Julius Caesar gegründeten Stadt die Heiden Plinius der Ältere und Plinius der Jüngere – obwohl letzterer in einem Brief an Trajan vermerkt, dass und wann er Christen verfolgt hatte. Mit solchen Widersprüchen können Comasker aber offensichtlich gut leben. Wobei die Triebe auch hier durch die Hintertür wieder hereinschlüpfen. Bei meinem letzten Besuch in der Stadt fiel mir die überdurchschnittlich hohe Zahl an Dessous-Geschäften ins Auge. Nur Rationalität geht eben auch nicht.

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www.florenz-toskana-tipps.de

 

Die Psyche der Städte

© Youtube Barbara de Mars

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