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Poggio Bracciolini – Cristofano Dell’Altissimo

Manchmal müsste man Geschichte umschichten. Denn die gut dokumentierten und in Büchern und Hirnen verankerten Kausalketten werfen wie das Echo nur einzelne Aspekte der Geschehnisse zurück, oft nicht mal die bedeutendsten. So geraten Persönlichkeiten in Vergessenheit, die weit über ihre Zeit hinaus wirkten. Zum Beispiel Giovanni Francesco Poggio Bracciolini. Wie, nie gehört? Eben.

Wer kann von sich schon behaupten, die Schrift entdeckt zu haben, welche die Renaissance befeuerte und hundert Jahre später noch die Reformation anschubste? Mit der spannenden Entdeckungsgeschichte des Manuskripts von Lukrez’ “De rerum natura” hat der Amerikaner Stephen Greenblatt vor ein paar Jahren immerhin den Pulitzerpreis gewonnen. Von wegen olle Kamellen.

Im Jahr 1417 befand sich Poggio in Konstanz auf dem Konzil und war gerade als päpstlicher Schreiber geschasst worden, weil sein Brötchengeber Johannes XXIII abgesetzt wurde. Um nicht arbeitslos herumzuhängen, begab er sich in schweizer und deutschen Klöstern auf die Suche nach antiken Schriften – und wurde fündig. Die einzig erhaltene Kopie von “De rerum natura” hat so den Weg in die Neuzeit an- und die Lawine der Renaissance mit losgetreten. Dort liest man in poetischen Versen neben hervorragenden Naturbeobachtungen zum Beispiel auch, dass (alle!) Religionen Humbug seien und das Leben mit dem Tod schlichtweg ende. Wenn man die göttliche Vorsehung ad acta legt, eröffnen sich dem freien Willen und dem Individuum völlig neue Perspektiven.

Mappamondo Genovese con testi di Poggio

Allein durch diese detektivische Leistung hatte Poggio sich wahrlich schon seinen Platz in der Basilika von Santa Croce in Florenz verdient, wo all diejenigen ihre letzte Ruhe fanden, die Geist und künstlerische Fertigkeiten besaßen. Aber es kam noch besser, denn Poggio war sogar ein klein wenig mit Schuld, dass Kolumbus Amerika entdeckte (es war ja auch kaum zu verfehlen). Und das kam so: ein umtriebiger Kaufmann namens Niccolò de’ Conti bereiste 25 Jahre lang den Orient, Indien und Asien. Dabei kam ihm allerdings der Katholische Glauben abhanden und als er nach Italien zurückkehrte, drohte der Papst damit, ihn exkommunizieren zu lassen – es sei denn, er schriebe die Reise detailliert auf. De’ Conti wandte sich an den für seine Schönschrift weithin bekannten Poggio und diktierte in dessen neugierige Feder nicht nur Rohstoffe und Handelsgüter der einzelnen Länder, sondern – was Poggio mehr interessiert haben dürfte –  wie viele Frauen Mann wo heiraten durfte, sowie diverse exotische Sexualpraktiken. Spätestens jetzt wird klar, dass Poggio nicht zum einfarbig getünchten Helden taugte, sondern ein kanarienbunt schillernder Vogel war, vielleicht auch ein #meToo-Gefährder.

Facezie

Poggios Notizen von de’ Contis Erlebnissen bekam der Mathematiker und Kartograph Paolo dal Pozzo Toscanelli in die Finger. Der fertigte daraufhin eine Weltkarte an (die leider verloren ging) und vertrat die – unter Gelehrten durchaus geläufige – Ansicht, dass man Indien über den Atlantik erreichen könne. Von Toscanellis Karte bekam wiederum Kolumbus Wind und als der Genueser 1492 gen Westen segelte, hatte er die Informationen des Florentiners bei sich.

Doch zurück zu Poggioder Kosename bedeutet auf Italienisch auch “Anhöhe” und gleich einer solchen sah sich der Namensträger aus einer weitläufigen geistigen Tiefebene aufragen, was dazu führte, dass er andere Humanisten gerne und grob verspottete, ein früher Meister der hate speech. So schrieb er über seinen Lieblingserzfeind Lorenzo Valla: ”Man darf sich nicht wundern, dass meine “Facezien” einem hohlen, dummen, ungebildeten, hirnlosen, unzivilisierten und provinziellen Barbaren nicht passen”. Bei solchen Tiraden hätte heutzutage auf Facebook die Zensur eingegriffen. Mit den erwähnten “Facezien” oder Schwänken, einer Sammlung politisch völlig inkorrekter, derber bis deftiger Witze über Klerus, Koitus und Konkurrenten, landete der Sekretär von insgesamt acht Päpsten einen europaweiten Bestseller. Das Echo der Geschichte dürfte Poggio dabei ziemlich egal gewesen sein. Als Original suchte er seinesgleichen.

Mit 56 Jahren heiratete der notorische Junggeselle übrigens doch noch, und zwar die nicht mal 18-jährige Selvaggia (die Wilde) dei Buondelmonti, die ihm sechs Kinder schenkte. Die Ehe, hieß es, sei glücklich gewesen.

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Barbara de Mars: www.florenz-toskana-tipps.de

Der Influencer

© Barbara de Mars

 

 

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